Abgeschlossene Arbeiten 2015

Karolingisches Kirchenmodell steht!

Die Stele mit einem karolingischen Kirchenmodell der Justinuskirche wurde am 17. März 2015 vor der Justinuskirche aufgestellt. Das Modell zeigt die dreischiffige Säulenbasilika, wie sie um 850 ausgesehen hat. Sie hat drei Apsiden und noch keinen Turm, ihr Eingang liegt an der Westseite im heute städtischen „Kirchgärtchen”. Mit Hilfe dieses Modells soll die karolingische Kirche, besser begreifbar werden. Denn durch die nach 1430 auf der Stadtseite angebauten Kapellen und das dann bis zum Giebel hochgezogene Dach, sind die karolingischen Teile von außen nicht mehr ohne weiteres erkennbar.

Auf dem Sockel wird an historische Wurzeln der Justinuskirche erinnert: Das Mainzer Rad verweist auf den Erbauer und die jahrhundertelange Zugehörigkeit von Höchst zu Mainz, das Tau auf rund 350 Jahre Antoniter in Höchst. Die Jakobsmuschel zeigt, dass die Justinuskirche am Jakobsweg zwischen Mainz und Frankfurt lag. Ein Fisch verweist auf den Spender: Die Fischer Zunft zu Höchst am Main von 1347.

Gemälde Grablegung

Während der vergangenen Monate ist das bisher kaum beachtete Gemälde Grablegungnach Hugo van der Goes (spätes 15. Jh.) restauriert worden. Hugo van der Goes war ein flämischer Maler und der Hauptmeister der altniederländischen Malerei.

Die Maloberfläche war enorm verschmutzt. Durch die aufliegende Schmutz- und Rußschicht erschienen helle Farbausmischungen dunkel. Mangels einer ordentlichen Hinterlüftung hatte das Bild starken Schimmelbefall auf der Rückseite. Es erhielt einen neuen Platz in der Nähe des Kreuzaltares, einen besonderen Schutz gegen Feuchtigkeit und Schimmel und wurde in Blickhöhe aufgehängt. Das erforderte auch besondere Sicherheitsmaßnahmen.

Seitenkapellen und Schlusssteine

Die gotischen Seitenkapellen der Nordseite mit ihren schönen Schlusssteinen und den Sandsteinrippen der Decken und Fenster wurden 2014 und 2015 durch den Steinmetz und Restaurator Martin Stein gereinigt und kleinere Putzschäden ausgebessert. Die Schlusssteine wurden restauriert, die Sandsteinrippen, die „Krabben“, die Wände und der Altartisch des Kreuzaltars wurden gestrichen. Damit sind die Kapellen der Nordseite mit ihren schönen Schlusssteinen wieder in einem optisch einwandfreien Zustand.

Im Haupteingang sieht man am Schlussstein das Wappen des Antoniterpräzeptors Hugo von Bellmonte (1436 – 1454), der die Antoniter von Rossdorf nach Höchst brachte und mit dem gotischen Anbau der Justinuskirche begann. In der Taufkapelle, die 2014 restauriert worden war, zeigt der Schlussstein eine Mondsichelmadonna. In der Mittelkapelle mit dem Kreuzaltar befindet sich ein Schlussstein mit dem Wappen des Mainzer Erzbischofs Dietrich von Erbach (1434 –1459), der die Justinuskirche an die Antoniter übergab. In der Antoniuskapelle, die ehemals Standplatz eines Jakobusaltares war, haben sich die Spender Emmerich von Krüfftel und seine Frankfurter Ehefrau Katharina von Holzhausen mit ihrem Allianzwappen verewigt.

Barocke Stuckfiguren aus dem Bolongaropalast

Die durch ihren jahrzehntelangen Aufenthalt im Dachgeschoß der Justinuskirche beschädigten und verschmutzten barocken Stuckfiguren aus der ehemaligen Kapelle des Bolongaropalastes hat Restaurator Pracher in Würzburg gereinigt und aufgearbeitet. Die großen Figuren haben eine Innenstabilisierung aus Holz, dem Stuck sind aus Gewichtsgründen Holzkohlen zugemischt. Die Fotos zeigen auch die normalerweise nicht sichtbare Rückseite.

Die beiden alten Fotos zeigen die ursprüngliche starke Beschädigung der Figuren (die in den 80er Jahren nur notdürftig behoben wurde), insbesondere aber auch die Verschmutzung der Oberflächen bis vor einigen Monaten.

Barocke Holzfigur des Hl. Sebastian

Auch an der barocken Holzfigur des Hl. Sebastian wurden kleinere Schäden behoben. Sein 30 Jahre altes Podest, bisher nur mit Rostschutzfarbe gestrichen, erhielt endlich ein passendes Dekor und den Namen des Heiligen.

Ertüchtigung der Brandmeldeanlage

Unvorhergesehen mussten alle Brandmelder ausgetauscht werden, da sie nicht mehr den Sicherheitsvorschriften und dem technischen Standard entsprachen. Auch ein Rauchsensor im Dachgeschoss gab seinen Geist auf und musste ersetzt werden.

Höchster Orgelsommer: Vogel in einer Orgelpfeife und guter Konzertbesuch

Ebenso musste ein Schaden an der Orgel von einem Experten des Orgelbauers Kuhn noch vor Beginn der Orgelkonzerte gesucht und behoben werden. Die Ursache war ein toter Vogel in einer Pfeife.

Der Höchster Orgelsommer hat erneut die alten und neuen Freunde der Justinuskirche und ihrer Orgel in die Kirche gebracht. Rolf Henry Kunz hat es trotz der immensen Kosten der Gema erneut geschafft, die Konzerte kostendeckend zu organisieren und einen Grundstock für die Konzerte 2016 zu bilden. Seine ehrenamtlichen Helfer bei der Vorbereitung (z. B. Orgelheft), in der Kirche und auf der Orgelbank helfen dabei mit, dass das umfangreiche Angebot so reibungslos umgesetzt werden kann.

Kreuzaltar: Reinigung und Retuschierung der rückseitigen Bildtafeln

Der gotische Kreuzaltar von 1485 hat eine bewegte Vergangenheit. Das gilt auch für die beiden 1608 entstandenen Werktagsseiten der Seitenflügel des Kreuzaltares, die insbesondere nach 1812 Feuchtigkeit, Witterungseinflüssen und Schmutz ausgesetzt waren, bevor sie 1935 wieder in der Justinuskirche aufgestellt wurden. Die stark beschädigte Malerei war kaum noch erkennbar, die Malschicht teilweise bis auf das Holz verschwunden.

Auf Bitten des Denkmalschutzes haben wir die im Sommer 2015 angeregte Reinigung und Überarbeitung der Werktagsseiten des gotischen Kreuzaltars unterstützt. Sie wurde von Restaurator Pracher vor Ort in der Justinuskirche durchgeführt. Jetzt kann man wieder auf der linken Tafel den Erzengel Michael und den Apostel Andreas erkennen, ebenso am oberen Bildrand das Wappen, das den Antonitern 1502 durch den Kaiser Maximilian verliehen worden war. Rechts − hier gab es deutlich stärkere Schäden − sieht man den Hl. Georg und einen weiteren Ritterheiligen.

Reinigung von Altargeräten

Auch 2015 wurden auch wieder Reinigungs- und Erhaltungsarbeiten an einigen kleineren Altargeräten durchgeführt: ein Rauchfass, eine Versehlampe, sieben kleine Messingleuchter stehen nun wieder für kirchliche Zwecke zur Verfügung.

Problem Nässe und Schimmel

Schimmel in der Kirche, vor allem hinter dem Hochaltar, in der Antoniuskapelle und dem Beichtstuhl zeigt ein zunehmendes Problem von Starkregen: Der Dachkandel der Nordseite fasst das Wasser nicht, die Nordwand wird dadurch außen und innen partiell nass. Verstopfte Dach- und/oder Kanalabläufe, eine defekte Drainage oder ein nicht mehr ganz durchgängiger Kanalablauf könnten dafür ursächlich sein. Hier müssen wir 2016 gemeinsam mit den Bauexperten aktiv werden.

Säuberung und Reparatur von Sandstein- und Putzflächen

Starke alte Verschmutzungen an Sandsteinen im Kircheninneren, z. B. im Bereich der Umrandung der Sakristeitür und der vorderen Säulen sind entfernt und kleinere Schäden ausgebessert worden.

An den äußeren Fensterbrüstungen des Chors (Ostseite) wurden Moose, Metallstacheln der Taubenvergrämungsanlage und nicht mehr funktionsfähige Elektroleitungen entfernt. Offene Fugen im Bodenbereich, an der kleinen Treppe und Putzschäden wurden ausgebessert.

Ein „Bilderbuch“ über unsere Arbeit

Die Justinuskirche - Ein Bilderbuch zur Geschichte
Die Justinuskirche - Ein Bilderbuch zur Geschichte

Mit der Herausgabe des reich bebilderten Buches „Die Justinuskirche - Ein Bilderbuch zur Geschichte“ von Ernst-Josef Robiné wurde nach 28 Jahren wieder ein Buch über unsere Kirche herausgegeben, das neben einem Kurzabriß über die Entwicklungszeiten des Bauwerks und was davon heute noch zu sehen ist. Auch die Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten seit 1983 werden dargestellt und vor dem Vergessen bewahrt. Das Buch erschien rechtzeitig und als „Dankeschön“ zum 90. Geburtstag unseres Ehrenvorsitzenden Erhard Bouillon.

 

Ehrenamtliche Aufsicht, Führungen

Die Aufsicht und Besucherbetreuung wird von unseren ehrenamtlichen Damen und Herren kompetent und mit viel Herzblut in ihrer Freizeit wahrgenommen. Leider sind es zu wenige Helfer. Denn der Wunsch nach Führungen durch uns ist konstant hoch. Wir haben mit unserem eigenen Team von Führern rund 1.000 Personen in zahlreichen Führungen die Kirche und den Garten gezeigt, darunter auch bei den neuen Samstags- und Themenführungen. Dazu kommen mindestens die gleiche Zahl von Führungen von Gruppen aus Deutschland und ganz Europa, zum Beispiel aus Frankreich, der Schweiz, Italien, Österreich, die wir häufig mit betreuen.

Der über die warmen Monate gerne besuchte Justinusgarten mit dem Antoniterraum im Turm hat inzwischen die Unterstützung eines weiteren, ehrenamtlichen Fachmannes mit grünem Daumen, der das ohnehin schon reichhaltige Angebot von Sträuchern und Blumen gekonnt erweitert hat.

Wissenschaftler untersuchen karolingische Bausubstanz

Das wissenschaftliche Interesse war 2015 besonders hoch: Wissenschaftler, unter anderem aus Lorsch, Müstair, Zürich, Wiesbaden und Heidelberg, haben sich zusammen mit Professor Matthias Kloft, Dr. Christine Kenner, Dr. Wolfgang Metternich und Mitgliedern des Vorstandes intensiv mit der karolingischen Bausubstanz der Justinuskirche beschäftigt. So kam es auch zu einer nochmaligen Altersbestimmung unserer Holzprobe an der Universität Heidelberg, die den bisherigen Altersbefund bestätigte. Die Arbeiten sollen 2016 fortgesetzt werden.