Bericht des Vorstands über das Jahr 2016

Vereinsangelegenheiten

Der Verein verzeichnete 2016 mit zwölf neuen Mitgliedern einen erfreulichen Zugang. Aber es gab auch mehrere Todesfälle und eine Kündigung.

Im Laufenden Jahr wurden zwei Mitgliederrundschreiben versandt, zur Mitgliederversammlung und im November. Die Presse wurde mehrfach von uns informiert, es gab eine Reihe von positiven Berichten (siehe Pressemappe).

Im März erhielten wir den 2015 beantragten steuerlichen Freistellungsbescheid für die Zeit von 2012 bis 2014 für den Verein. Wie beantragt, hat uns das Oberlandesgericht Frankfurt wieder in die Liste der Institutionen aufgenommen, die berechtigt sind, als Bußen verhängte Geldbeträge für Vereinszwecke in Empfang zu nehmen.

Margot Fischer-Besso hat leider nach 25 Jahren aus Altersgründen ihr Vorstandsamt niedergelegt. Alle Veränderungen (Dr. Frühbeis und Fischer-Besso) wurden dem Vereinsregister mitgeteilt. Mit Dr. Werner Brodt hatten wir 2016 einen engagierten Zugang, der sich sowohl in die praktische Arbeit als auch in Gespräche und Entscheidungen bezüglich der laufenden und der geplanten Restaurierungen einbrachte.

Wegen der Fusion der Volksbank Höchst mit der Frankfurter Volksbank haben sich zum 17.09.2016 die IBAN und BIC zweier Vereinskonten geändert, was über Rundschreiben und auf der Internetseite bekanntgemacht wurde.

Ehrenamtliche Kirchenaufsicht und Führungen

Die Kirchenaufsicht wurde um Monika Henrich, Heinrich Arndt, Ulrike Lenssen und Michael Bretzler verstärkt. Wir haben dort jetzt 16 ehrenamtliche Helfer. Inge Lieb schied aus Altersgründen aus.

Im Frühjahr haben wir an drei Tagen eine Schulung aller Kirchenführer und der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kirchenaufsicht durchgeführt. Wir haben dazu 212 Einzelcharts über die Geschichte und die Kunstwerke der Kirche erstellt und zusammen mit einem Stichwortverzeichnis ausgehändigt. Zwei Schulungen übernahm Ernst Josef Robiné, eine Wolfgang Metternich. Das Kopieren übernahm die Pfarrgemeinde, die Kopierkosten wurden geteilt.

2016 haben wir erneut fast 60 Gruppen mit insgesamt etwa 1.100 Personen durch die Kirche geführt. Dazu kommt noch einmal etwa die gleiche Zahl von Führungen mit externen Führern. Ebenso haben wir Schulklassen die Kirche nahe gebracht. Unsere Führungen verteilten sich 2016 auf deutlich mehr Schultern. Zwischen sechs und acht Personen sind jetzt dafür einsatzbereit. Herr Bretzler steht bei Bedarf auch für Führungen in und im Umkreis der Kirche (Altstadt- und Fachwerk) zur Verfügung.

Spenden und finanzielle Situation

Der Verein steht trotz der umfangreichen Arbeiten in den abgelaufenen Jahren weiterhin auf soliden Füßen. Hierzu verweise ich auf den folgenden Kassenbericht. Zu danken ist das den treuen Mitgliedern und Spendern, auch aus Ihrem Kreis, die häufig das Mehrfache des Jahresbeitrages überweisen. Aber eine ganz besondere Hilfe sind natürlich Großspenden, wie zuletzt im Dezember von der Höchster Wohlfahrtsstiftung.

Arbeiten und Projekte

Die Sitzfigur des Hl. Antonius von 1485 wurde im Juli 2106 zur Begutachtung und Konservierung in die Restaurierungswerkstatt des Landesdenkmalamtes gebracht. Für das Landesdenkmalamt hatten wir eine Bild-, Literatur- und Aktenrecherche durchgeführt und ihm eine komprimierte Zusammenstellung zur Verfügung gestellt. Nachdem das Ergebnis der Untersuchung seit dem Jahresende 2016 vorliegt und Einigkeit über das weitere Vorgehen gefunden werden konnte, sollen die restauratorischen Arbeiten noch im Frühjahr 2017 fertiggestellt werden. Hierzu später mehr von Frau Kenner. Die Kosten werden 2017 anfallen.

Wichtige Basisliteratur zur Justinuskirche (Bücher, Aufsätze) wurde zusammengestellt, eingescannt, und über unsere Internetseite www.justinuskirche.de Interessenten kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit stehen auch bisher nicht zugängliche Bücher, wie das Antoniter-Diarium von 1441, das Regelbuch der Antoniter, das Kirchenbuch der Pfarrei Höchst von 1796 sowie längst nicht mehr erhältliche Bücher aus dem 19. oder vom Anfang des 20. Jh. für Studien zur Verfügung. Das Diözesanarchiv, das Landesdenkmalamt und das Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und andere Interessenten haben wir mit jeweils einer DVD versorgt.

Sechs Patenen, die an den Rändern verbogen und auch stark verschmutzt waren, haben wir reinigen lassen. Flecken durch falsche Reinigung und die meist abgeriebene alte Vergoldung sollte gelegentlich bei den herausragenden Stücken nachbearbeitet werden (Neuvergoldung!). Die Randbereiche wurden – soweit möglich – gerichtet.

Die erheblichen Schäden an den beiden gotischen Leuchtern, die zu Seiten des Antonius standen, wurden behoben, die Leuchter gereinigt, poliert und mit Wachs versiegelt.

Das Emmaus-Gemälde aus dem Hochchor wurde durch die Werkfeuerwehr des Industrieparks kostenlos ab- und später wieder aufgehängt. Zur Reinigung und Konservierung war es bei Pracher. Herzlichen Dank an Jürgen Vormann, Infraserv Höchst, für sein persönliches Engagement und für die Hilfe der Werkfeuerwehr.

Erstmalig durchgeführt wurde vom Restaurator Pracher eine genaue jährliche Überprüfung aller Kunstwerke der Kirche mit einer Entstaubung und der Behebung von Kleinschäden. Hieraus ergaben sich wichtige Feststellungen, die abgearbeitet werden müssen (zum Beispiel Loch im Kanzelboden).

Für den Haupteingang haben wir einen neuen Infoständer für den Besucherempfang angeschafft. Für die Information der Besucher haben wir sieben kleine Holz-Infoständer erstellt (keine Kosten, Herstellung durch Breit). Die zwei kleinen Gesangbuchständer wurden in Eigenarbeit neu gestrichen (keine Kosten).

Die defekten und völlig verschmutzten Stelltafeln unter der Orgeltreppe, hinter denen die Stühle aufbewahrt werden, wurden erneuert. Sie dienen jetzt auch als Info- und Plakatwand.

Wegen vorbereitender Begehungen für die Bauaufnahmearbeiten im südlichen Dachbereich haben wir in Eigenarbeit eine zusätzliche, abschließbaren Zwischentür eingebaut.

Der Plakatständer mit einem Begrüßungstext für Besucher wurde erneuert.

Die Mechanik eines kaum erreichbaren Südfensters im Chor, die seit Jahren defekt war, wurde durch die Werkfeuerwehr Höchst und den Unterzeichner kostenlos repariert.

Wegen der Frage von Klima/Heizung/Lüftung in der Kirche gab es ein kostenloses Gespräch mit einem Spezialisten der Fa. Mahr. Das Ergebnis war, dass die montierte Heizungsregelung eine Automatikfunktion besitzt, die entsprechend der derzeitigen – seines Erachtens vernünftigen und vertretbaren - Heizungsvoreinstellungen Schimmel vermeiden kann. Mit Sicht auf die gemessenen Daten in der Justinuskirche sieht der Fachmann keinen besonderen Handlungsbedarf, außer, dass die Automatik gegen unerlaubtes Verstellen geschützt werden soll.

Alle Paramente der Justinuskirche wurden in gemeinsamer Arbeit von Bärbel Frühbeis, Gabriele Rahmann und Robiné neu in die Schubladen und Schränke einsortiert und fotografiert. Bisher verstreute und daher zum Teil nicht noch nicht inventarisierte Teile wurden zusammengeführt und ein aktualisiertes Text-/ Bild-Inventarverzeichnis begonnen. Das soll 2017 fertiggestellt und danach in kleiner Auflage gedruckt werden. Es wird der Pfarrgemeinde und dem Diözesandenkmalpfleger als DVD zur Verfügung gestellt werden.

Mehrfach hat Gabriele Rahmann die große Glasvitrine neu gestaltet, in der Fastenzeit z. B. mit einer Kasel, Kelchvelum und Bursa mit einer Kreuzigungsdarstellung und dem Thema „Paramente“.

Die Mitbringsel/Verkaufsobjekte für die Justinuskirche wurden ebenso wie die deutschen und fremdsprachlichen Leporellos durch Bärbel Frühbeis aktualisiert und komplettiert. Nachbestellt wurden beispielsweise100 Kerzen mit Aufschrift und einem aktualisierten Bild der Justinuskirche.

Der fast 30 Jahre alte kleine Kirchenführer wurde durch Wolfgang Metternich in enger Zusammenarbeit mit Robiné neu konzipiert und getextet. Er wurde in einer Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt.

Die Werbematerial zur Auslage und kostenlose Abgabe in den Touristinformationen wurden von Frau Frühbeis aktualisiert. Durch die Änderung der IBAN der ehemaligen Volksbank Höchst mussten erneut Prospektbeilagen aktualisiert werden. Es ist auch gelungen, einen Übersetzer für die japanische Übersetzung unseres Faltblattes zu finden, das Ergebnis steht aber noch aus.

Peter Abel fertigte und verkaufte ein neues Justinuskirchmesser mit dem Abbild der Sitzfigur unseres Hl. Antonius. Hieraus haben wir 2016 erneut eine große Spende erhalten, für die wir uns bei ihm besonders bedanken.

Robiné stellte den Restbestand seines Buches „Geschichten aus der Rotfabrik“ zum Sonderpreis für den Verkauf zu Gunsten der Kirche zur Verfügung.

Rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt kauften wir noch 300 neue Advents- und Weihnachts-CD s mit historischen Aufnahmen der Höchster Kantorei unter Leitung und Mitwirkung von Rolf Henry Kunz an der Orgel.

Justinusgarten

Gerne besucht wird der Justinusgarten, den Werner Kappes mit einem kleinen Team noch anziehender gemacht hat.

Orgelkonzerte und sonstigen Veranstaltungen

Der von Rolf Henry Kunz durchgeführte Höchster Orgelsommer war erneut ein großer Erfolg mit ausgezeichneten Künstlern, treuen Besuchern und einem interessanten Programm. Erneut konnte die Konzertreihe kostendeckend durchgeführt werden.

Wir nahmen mit der Justinuskirche an der Nacht der Museen 2016 teil. 900 Besucher hatten Gelegenheit drei Konzerte, zwei Führungen und eine mehrwöchige Ausstellung von Holzobjekten des Nieder Künstlers Breit zu erleben.

Am Denkmaltag zeigten wir fast 200 historische Fotos über die Veränderungen seit 1890, insbesondere auch seit 1983, und erklärten ca. 200 Personen die entsprechenden Maßnahmen.

Einen guten Erfolg hatten wir erneut mit dem Altstadtfest, einen hervorragenden am Weihnachtsmarkt. Für unsere undichten Zelte hat Christoph Bucher neue Dächer besorgt.

Auch in diesem Jahr hat das Krippenteam zum ersten Advent die Krippe aufgebaut.

Unseren Ehrenamtlichen sagten wir Danke mit einem kleinen Gartenfest im Herbst.

Seit der Jahresmitte 2016 ist die Justinuskirche Höchst in Facebook auch mit einer eigenen Facebook-Gruppe vertreten, die bis Ende 2016 schon 80 (Facebook-)Mitglieder zählte. Sie haben dort einen zusätzlichen Ort, um sich über die Justinuskirche zu informieren oder um eigene Nachrichten oder Fotos einzustellen. Der Justinuskirche und ihren Veranstaltungen bringt die Facebookpräsens, für die Sheina di Genaro-Bretzler und Jürgen Rothländer verantwortlich zeichnen, neue, zusätzliche Besucher.

Erbschaft

Von dem 2016 verstorbenen Pfarrer Wiedenbauer, der vor Schäfer Pfarrer von St. Josef, Höchst und ein Freund von Jochem Safran war, wurde die Stiftergemeinschaft als Teilerbe seines Geldvermögens eingesetzt. Der vererbte Betrag steht in seiner Höhe noch immer nicht fest und ist noch nicht eingegangen.

Dank

Damit komme ich zum Ende meines Vorstandsberichtes, den ich als Vorsitzender des Vorstandes der Stiftergemeinschaft heute zum letzten Mal erstatte. Wie angekündigt, will ich die „Vollzeitaufgabe“ als Vorsitzender heute abgeben. Gerne stehe ich aber für eine weitere Mitarbeit im Verein und für definierte Aufgaben, zum Beispiel für Führungen, bei der Inventarisierung und im Justinusgarten, zur Verfügung.

In Hinblick auf den 2017 stattfindenden Wechsel des Vorsitzenden habe ich seit Mitte 2016 bereits eine Reihe von Vorstandsaufgaben umverteilt, die langjährig durch mich durchgeführt wurden, so unter anderem die Koordination der Führungen oder die regelmäßige Gestaltung der Ausstellungsvitrine (jetzt Gabriele Rahmann), das Kümmern um Neu- und Nachdrucke oder die Bestellung der „Mitbringsel“ (jetzt Bärbel Frühbeis), außerdem Arbeiten, die jetzt der Schriftführer verantwortet (zum Beispiel das Mitgliederverzeichnis). Diese geänderten Verantwortlichkeiten sind dokumentiert und funktionieren. Danke an alle, die mehr auf ihre Schultern genommen haben.

Der Vorstand wird dem Kuratorium vorschlagen, Werner Brodt in den Vorstand und dort zum Vorsitzenden zu wählen. Wir sind überzeugt, mit ihm den Richtigen für dieses verantwortungsvolle Amt gefunden zu haben und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Vorstandskollegen, bei den Damen und Herren des Kuratoriums – besonders bei Herrn Bouillon und Herrn Vormann - und des Beirats, bei den Damen und Herren der Pfarrgemeinde, des Denkmalschutzes in Limburg, Wiesbaden und Frankfurt, bei unseren Mitgliedern, Spendern, unseren engagierten ehrenamtlichen Helfern, bei der Presse. Ein besonderer Dank geht auch an die Stadt Frankfurt mit Herrn Feldmann, Herrn Brand und den Ortsbeiräten.

32 Jahre durfte ich zusammen mit all diesen Personen oder Gremien für die Justinuskirche und für Höchst arbeiten: Das sichtbare Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit spricht für sich. Ich bin stolz darauf!

Ihnen allen herzlichen Dank für Ihren persönlichen Beitrag.

Ernst-Josef Robiné Vorsitzender

 

 

Bericht des Beirats über 2016

Kirchenführer

Der fast 30 Jahre alte kleine Kirchenführer wurde durch den Referenten in enger Zusammenarbeit mit Ernst Josef Robiné neu konzipiert und getextet. Der erste Kirchenführer dieser Art, noch in einfachem Schwarzweiß gehalten, wurde 1980 von Rektor Johannes Höckel finanziert. Die Neuauflage von 1988, finanziert durch die Stiftergemeinschaft Justinuskirche, kam dann in Farbe. Seither sind fast 30 Jahre vergangen, in denen die Kirche fast vollständig restauriert wurde und ihr Erscheinungsbild gewandelt hat. Im neuen Führer wurden nicht nur diese Restaurierungen, sondern auch die Ergebnisse der seitherigen Forschung, soweit der begrenzte Platz dies zuließ, eingearbeitet. Der Führer wurde in einer Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt und war beim Weihnachtsmarkt 2016 erstmals erhältlich.

Ein neues Buch über Justinuskirche in der Reihe der „Blaue Bücher“

Seit einigen Jahren liefen die Vorarbeiten für ein neues Buch, das die Justinuskirche auf dem aktuellen Stand der Forschung und der Restaurierungen in ausführlicher Form behandeln sollte. Man möchte meinen, über diese Kirche sei bereits alles Wissenswerte gesagt. Es zeigt sich jedoch, dass vor allem tiefgreifende und länger andauernde Restaurierungsprojekte – wie z.B. der Hochaltar -  nicht nur die Kirche in ihrem Erscheinungsbild verändern, sondern auch die Forschung am Bauwerk und seiner Ausstattung erheblich voranbringen. Allein die Renovierungen der vergangenen eineinhalb Jahrhunderte, die Neugestaltung durch Pfarrer Emil Siering ab 1890, die große Renovierung von 1930-32 und die Tätigkeit der Stiftergemeinschaft Justinuskirche seit 1983, sprechen in ihren Ergebnissen und begleitenden Schriften eine beredte Sprache. Es war deshalb angebracht, auch weil viele ältere Publikationen vergriffen und bisweilen nur schwer erhältlich sind, den seit 1986 in vielen und z.T. entlegenen Publikationen verstreuten Forschungsstand zusammenzufassen und mit neuen Ergebnissen und Argumenten zur Diskussion zu stellen. Zugleich soll damit dem Besucher und allen an der Justinuskirche Interessierten eine Publikation in die Hand gegeben werden, welches das heute verfügbare Wissen um die Kirche zusammenfasst und im Text mit einer ausführlichen Bebilderung zugänglich macht.

Einer erneuten Bewertung wurden die karolingischen Kapitelle und mehr noch die Kämpfer der Justinuskirche unterzogen. Schon seit 2007 wurden die als Vergleichsbeispiele in Frage kommenden Stücke, vor allem in Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien, und im byzantinischen Kulturbereich vor Ort neu aufgenommen. Bei den Kapitellen konnte dabei der schon früher festgestellte motivische Schwerpunkt im Raum Verona/Brescia (Meyer-Barkhausen 1933) bestätigt werden. Bei den Kämpfern kann, nach ersten früheren Erkenntnissen (Metternich 1979, 1986) deren motivische Herkunft aus dem antiken Mittelmeerraum und vor allem aus der byzantinischen Kunst der justinianischen Epoche (6. Jhdt.) nun anhand einer lückenlosen Kapitell- und Kämpferreihe vom 3. Jhdt. v.Chr. bis in die karolingische Zeit über rund 1200 Jahre belegt werden. Über das vorliegende Manuskript hinaus ist hierzu im Sommer 2017 ein Aufsatz für die Nassauischen Annalen 2018 geplant.

Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den neueren Forschungsbeiträgen besonders der überfälligen Diskussion um das Alter der Kirche und der Baumaßnahmen von 1090 gewidmet. Aus diesem Grunde wurde die Übertragungsurkunde von 1090 mit Hilfe der erfahrenen Mediävistin Frau Ursula Jaitner-Hahner aus München, die aus Höchst stammt und mit der Kirche vertraut ist, völlig neu übersetzt und ihr Inhalt einer kritischen Prüfung unterzogen. Das überraschende Ergebnis war, dass diese Urkunde bisher nicht richtig gelesen wurde und man sich in unkritischer Weise auf die recht freie Übersetzung Pfarrer Emil Sierings von 1890 bezog, der sich wiederum auf eine noch ältere Übertragung in einer Geschichte des Klosters St. Alban in Mainz stützte. Dabei war der Begriff „sartis...tectis“, den schon Cicero für noch existente, aber schadhafte Dächer verwendete, entscheidend, verwies er doch darauf, dass 1090 die Kirche keineswegs ein Trümmerhaufen (Scriba 1930) war, sondern, wenngleich reparaturbedürftig, aufrecht unter Dach stand. Die damaligen Baumaßnahmen entpuppten sich als Reparaturen am Südseitenschiff, die gleichzeitig genutzt wurden, um die Kirche im Zeitalter der Kirchenreform nach den Baugepflogenheiten des Reformkloster Hirsau im Schwarzwald auch liturgisch zu modernisieren. Die bauliche Ausrichtung der Kirche nach hirsauischen Reformgedanken ist insofern auch nicht erstaunlich, als in der historischen Fachliteratur dies schon seit 1949 (Büttner) diskutiert und begründet (Staab 1992) wird. Bisher unbekannte Abbildungen aus dem Landesamt für Denkmalpflege, die bei der Renovierung von 1930-32 entstanden, waren als Argumentationsbasis dabei hilfreich.

In diesem Zusammenhang musste auch der vom Referenten 1985 entdeckte und ins 9. Jahrhundert datierte Chorturm einer Revision unterzogen werden. Zwar ist seine Existenz bis 1464 urkundlich gesichert, er entstand mit Sicherheit aber erst nach 1090 im Zusammenhang mit der Einführung der „römischen Messe“ an einem, dem Hauptalter. Unter den weiteren neuen Erkenntnissen in diesem Buch muss auch der Kreuzaltar neu bewertet werden. Hier ist die Auseinandersetzung mit einer neuen Dissertation (Michaela Schedl 2016) über mittelrheinische Tafelmalerei, die inzwischen in prägender Weise in das DFG-Projekt „Mittelalterliche Retabel“ Eingang gefunden hat, dringend geboten. Da die Autorin offensichtlich das wichtige „Diarium der Antoniter“, vermutlich weil sie kein Latein kann, als Quelle nicht benutzt hat, begeht sie elementare Fehler. So unterscheidet sie nicht zwischen dem „altar summum“, dem Hochaltar und dem „altar maius“, dem Kreuz- bzw. dem Pfarraltar, was zur Folge hat, dass sie den Kreuzaltar im Chor bzw. in der Kapelle zum heiligen Kreuz (Sakristei) verortet.

Weitere neue Erkenntnisse sollen zur Sitzfigur des hl. Antonius, der sich derzeit zur Restaurierung in der Werkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege mitgeteilt werden. Es ist zu hoffen, dass die Arbeiten an der Figur so rechtzeitig zum Abschluss kommen, dass die Resultate der Restaurierung und ein aktuelles Bild des neuen Zustandes oder eine Montage der Farbfassung von 1485 noch in das Buch aufgenommen werden können. Nachdem die Restauratorin Friederike Schäfer bereits im Dezember 2016 im Landesamt für Denkmalpflege einem kleinen Kreis von Fachleuten einen Bericht  über die Restaurierungsarbeiten und die aufgefundenen Reste der originalen Farbfassung gegeben hatte berichtete sie am 15. Feb. 2017 vor einem größeren Publikum über ihre Arbeit.

Der sprachliche Ausdruck des neuen Buches ist so gewählt, dass jeder, der interessierte Laie ebenso wie der Wissenschaftler, auf seine Kosten kommt. Darüber hinaus soll dieses Buch, das ein Gesamtkunstwerk mit einer Geschichte von rund 1200 Jahren (und mehr) zum Thema hat, dem Leser und Kirchenbesucher einfach Freude bereiten und natürlich Werbung für die Aktivitäten der Stiftergemeinschaft Justinuskirche machen. Das Buch ist Herrn Boullion, dem Initiator der Stiftergemeinschaft Justinuskirche gewidmet.

Das Buch wird in der Hauptauflage als Paperback erscheinen, es ist jedoch geplant, eine kleine Auflage als Hardcover/Leinen für besonderen Bedarf (Sponsoren, Werbegeschenke, Meinungsbildner) vorzulegen. Hierüber sollte in der Sitzung gesprochen werden. Die Arbeiten zur Drucklegung sind im Gange. Mit einer Auswahl von ca. 200 Abbildungen, von denen viele noch nie gezeigt wurden wurde ein erstes Layout erstellt. Zur Zeit werden die letzten Korrekturarbeiten durchgeführt. Es ist zu erwarten, dass das neue Buch im Mai vorliegt.

Literatur zur Justinuskirche im Internet

Eine sehr willkommene und hilfreiche Ergänzung zum vorgenannten Buchprojekt ist das nahezu vollständige Angebot aller bisher seit 1837 erschienenen Literatur im Internet auf der Homepage der Stiftergemeinschaft Justinuskirche unter www.justinuskirche.de/literatur-zur-justinuskirche.html. Sie wurde von Ernst Josef Robiné mit Unterstützung des Referenten einscannen lassen und steht nun der wissenschaftlichen Diskussion, aber auch jedem an der Geschichte der Kirche Interessierten vollständig zur Verfügung. Zusätzlich zur Literatur werden auch die schwer zugänglichen Quellen wie z.B. die Urkunde von 1090 (mit neuer Übersetzung), das Diarium der Antoniter, das Regelbuch der Antoniter, das Kirchenbuch und die Chronik der Pfarrei Höchst angeboten. Vor allem die seit langem vergriffenen Bücher wie Siering 1890, Scriba 1930 und Hensler 1932, aber auch die z.T. entlegene Aufsatzliteratur mit den wichtigen Beiträgen über die Restaurierung von 1930-32 kann nun von jedermann eingesehen werden. Es besteht die Absicht, die Übersicht weiter zu vervollständigen.

Mauerwerksuntersuchung

Die allgemein zur Verfügung gestellten Quellen und die Literatur sind auch geeignet ein weiteres wichtiges Projekt zur Geschichte und zur Datierung der Justinuskirche zu befördern. In den letzten Jahren fanden in der Kirche, ausgehend von Restaurierungsarbeiten an der Torhalle in Lorsch, ausgedehnte Mauerbeobachtungen statt. Ziel der Wissenschaftler war es, Vergleichsmaterial an karolingischem Mauerwerk in Deutschland und der Schweiz zu gewinnen. Die Ergebnisse diese Arbeiten haben sich für die Justinuskirche in dem Artikel von Frau Christine Kenner und Katarina Papajanni über die hiesigen Mauerwerksuntersuchungen niedergeschlagen. Er ist in dem von Katarina Papajanni  und Judith Ley herausgegebenen Buch „Karolingezeitliche Mauertechnik in Deutschland und der Schweiz“, das im September 2016 vorgelegt wurde enthalten und bestätigt die Datierung  der Kirche ins 9. Jahrhundert. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch eine C14-Datierung des Mauerwerks der vorgenommen, welche die ältere Dendrochronologie absicherte. In diesem Zusammenhang wurde allen Beteiligten klar, dass eine vollständige verformungsgerechte Aufnahme des Mauerwerks der Justinuskirche ein schmerzliches Desiderat ist. Vorgespräche über die Durchführung einer solchen, auch Kosten verursachenden, Maßnahme sind bereits aufgenommen worden. Es ist zu hoffen, dass diese Maßnahme in den nächsten Jahren durchgeführt werden kann.

Der Beirat hat auch für das abgelaufene Berichtsjahr allen Anlass, denen, die sich für die Restaurierung und Pflege der Kirche einsetzen, aber auch für die Aufsicht während der Öffnungszeiten und für Führungen zu Verfügung stehen, sehr herzlich zu danken. Ohne den Einsatz dieser Personen wäre der gute Zustand der Kirche und deren Erhalt für die Kirchengemeinde und eine interessierte Öffentlichkeit nicht zu gewährleisten. Ein besonderer Dank aber gilt Herrn Ernst Josef Robiné, mit dem nicht nur in dessen Jahren als Vorsitzender, sondern schon seit den ersten Jahren des Bestehens der Stiftergemeinschaft Justinuskirche eine enge und freundschaftliche, von Erfolg gekrönte Zusammenarbeit bestand.

Für den Beirat der Stiftergemeinschaft Justinuskirche

Dr. Wolfgang Metternich      06. Februar 2017