Bericht des Vorstands über das Jahr 2016

Bericht des Vorstandes über das Jahr 2016

Vereinsangelegenheiten

Der Verein verzeichnete 2016 mit zwölf neuen Mitgliedern einen erfreulichen Zugang. Aber es gab auch mehrere Todesfälle  und eine Kündigung.

Im Laufenden Jahr wurden zwei Mitgliederrundschreiben versandt, zur Mitgliederversammlung und im November. Die Presse wurde mehrfach von uns informiert, es gab eine Reihe von positiven Berichten (siehe Pressemappe).

Im März erhielten wir den 2015 beantragten steuerlichen Freistellungsbescheid für die Zeit von 2012 bis 2014 für den Verein. Wie beantragt, hat uns das Oberlandesgericht Frankfurt wieder in die Liste der Institutionen aufgenommen, die berechtigt sind, als Bußen verhängte Geldbeträge für Vereinszwecke in Empfang zu nehmen.

Margot Fischer-Besso hat leider nach 25 Jahren aus Altersgründen ihr Vorstandsamt niedergelegt. Alle Veränderungen (Dr. Frühbeis und Fischer-Besso) wurden dem Vereinsregister mitgeteilt. Mit Dr. Werner Brodt hatten wir 2016 einen engagierten Zugang, der sich sowohl in die praktische Arbeit als auch in Gespräche und Entscheidungen bezüglich der laufenden und der geplanten Restaurierungen einbrachte.

Wegen der Fusion der Volksbank Höchst mit der Frankfurter Volksbank haben sich zum 17.09.2016 die IBAN und BIC zweier Vereinskonten geändert, was über Rundschreiben und auf der Internetseite bekanntgemacht wurde.

Ehrenamtliche Kirchenaufsicht und Führungen

Die Kirchenaufsicht wurde um Monika Henrich, Heinrich Arndt, Ulrike Lenssen und Michael Bretzler verstärkt. Wir haben dort jetzt 16 ehrenamtliche Helfer. Inge Lieb schied aus Altersgründen aus.

Im Frühjahr haben wir an drei Tagen eine Schulung aller Kirchenführer und der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kirchenaufsicht durchgeführt. Wir haben dazu 212 Einzelcharts über die Geschichte und die Kunstwerke der Kirche erstellt und zusammen mit einem Stichwortverzeichnis ausgehändigt. Zwei Schulungen übernahm Ernst Josef Robiné, eine Wolfgang Metternich. Das Kopieren übernahm die Pfarrgemeinde, die Kopierkosten wurden geteilt.

2016 haben wir erneut fast 60 Gruppen mit insgesamt etwa 1.100 Personen durch die Kirche geführt. Dazu kommt noch einmal etwa die gleiche Zahl von Führungen mit externen Führern. Ebenso haben wir Schulklassen die Kirche nahe gebracht. Unsere Führungen verteilten sich 2016 auf deutlich mehr Schultern. Zwischen sechs und acht Personen sind jetzt dafür einsatzbereit. Herr Bretzler steht bei Bedarf auch für Führungen in und im Umkreis der Kirche (Altstadt- und Fachwerk) zur Verfügung.

 

Spenden und finanzielle Situation

Der Verein steht trotz der umfangreichen Arbeiten in den abgelaufenen Jahren weiterhin auf soliden Füßen. Hierzu verweise ich auf den folgenden Kassenbericht. Zu danken ist das den treuen Mitgliedern und Spendern, auch aus Ihrem Kreis, die häufig das Mehrfache des Jahresbeitrages überweisen. Aber eine ganz besondere Hilfe sind natürlich Großspenden, wie zuletzt im Dezember von der Höchster Wohlfahrtsstiftung.

Arbeiten und Projekte

Die Sitzfigur des Hl. Antonius von 1485 wurde im Juli 2106 zur Begutachtung und Konservierung in die Restaurierungswerkstatt des Landesdenkmalamtes gebracht. Für das Landesdenkmalamt hatten wir eine Bild-, Literatur- und Aktenrecherche durchgeführt und ihm eine komprimierte Zusammenstellung zur Verfügung gestellt. Nachdem das Ergebnis der Untersuchung seit dem Jahresende 2016 vorliegt und Einigkeit über das weitere Vorgehen gefunden werden konnte, sollen die restauratorischen Arbeiten noch im Frühjahr 2017 fertiggestellt werden. Hierzu später mehr von Frau Kenner. Die Kosten werden 2017 anfallen.

Wichtige Basisliteratur zur Justinuskirche (Bücher, Aufsätze) wurde zusammengestellt, eingescannt, und über unsere Internetseite www.justinuskirche.de Interessenten kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit stehen auch bisher nicht zugängliche Bücher, wie das Antoniter-Diarium von 1441, das Regelbuch der Antoniter, das Kirchenbuch der Pfarrei Höchst von 1796 sowie längst nicht mehr erhältliche Bücher aus dem 19. oder vom Anfang des 20. Jh. für Studien zur Verfügung. Das Diözesanarchiv, das Landesdenkmalamt und das Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und andere Interessenten haben wir mit jeweils einer DVD versorgt.

Sechs Patenen, die an den Rändern verbogen und auch stark verschmutzt waren, haben wir reinigen lassen. Flecken durch falsche Reinigung und die meist abgeriebene alte Vergoldung sollte gelegentlich bei den herausragenden Stücken nachbearbeitet werden (Neuvergoldung!). Die Randbereiche wurden – soweit möglich – gerichtet.

Die erheblichen Schäden an den beiden gotischen Leuchtern, die zu Seiten des Antonius standen, wurden behoben, die Leuchter gereinigt, poliert und mit Wachs versiegelt.

Das Emmaus-Gemälde aus dem Hochchor wurde durch die Werkfeuerwehr des Industrieparks  kostenlos ab- und später wieder aufgehängt. Zur Reinigung und Konservierung war es bei Pracher. Herzlichen Dank an Jürgen Vormann, Infraserv Höchst, für sein persönliches Engagement und für die Hilfe der Werkfeuerwehr.

Erstmalig durchgeführt wurde vom Restaurator Pracher eine genaue jährliche Überprüfung aller Kunstwerke der Kirche mit einer Entstaubung und der Behebung von Kleinschäden. Hieraus ergaben sich wichtige Feststellungen, die abgearbeitet werden müssen (zum Beispiel Loch im Kanzelboden).

Für den Haupteingang haben wir einen neuen Infoständer für den Besucherempfang angeschafft. Für die Information der Besucher haben wir sieben kleine Holz-Infoständer erstellt (keine Kosten, Herstellung durch Breit). Die zwei kleinen Gesangbuchständer wurden in Eigenarbeit neu gestrichen (keine Kosten).

Die defekten und völlig verschmutzten Stelltafeln unter der Orgeltreppe, hinter denen die Stühle aufbewahrt werden, wurden erneuert. Sie dienen jetzt auch als Info- und Plakatwand.

Wegen vorbereitender Begehungen für die Bauaufnahmearbeiten im südlichen Dachbereich haben wir in Eigenarbeit eine zusätzliche, abschließbaren Zwischentür eingebaut.

Der Plakatständer mit einem Begrüßungstext für Besucher wurde erneuert.

Die Mechanik eines kaum erreichbaren Südfensters im Chor, die seit Jahren defekt war, wurde durch die Werkfeuerwehr Höchst und den Unterzeichner kostenlos repariert.

Wegen der Frage von Klima/Heizung/Lüftung in der Kirche gab es ein kostenloses Gespräch mit einem Spezialisten der Fa. Mahr. Das Ergebnis war, dass die montierte Heizungsregelung eine Automatikfunktion besitzt, die entsprechend der derzeitigen – seines Erachtens vernünftigen und vertretbaren - Heizungsvoreinstellungen Schimmel vermeiden kann. Mit Sicht auf die gemessenen Daten in der Justinuskirche sieht der Fachmann keinen besonderen Handlungsbedarf, außer, dass die Automatik gegen unerlaubtes Verstellen geschützt werden soll.

Alle Paramente der Justinuskirche wurden in gemeinsamer Arbeit von Bärbel Frühbeis, Gabriele Rahmann und Robiné neu in die Schubladen und Schränke einsortiert und fotografiert. Bisher verstreute und daher zum Teil nicht noch nicht inventarisierte Teile wurden zusammengeführt und ein aktualisiertes Text-/ Bild-Inventarverzeichnis begonnen. Das soll 2017 fertiggestellt und danach in kleiner Auflage gedruckt werden. Es wird der Pfarrgemeinde und dem Diözesandenkmalpfleger als DVD zur Verfügung gestellt werden.

Mehrfach hat Gabriele Rahmann die große Glasvitrine neu gestaltet, in der Fastenzeit z. B. mit einer Kasel, Kelchvelum und Bursa mit einer Kreuzigungsdarstellung und dem Thema „Paramente“.

Die Mitbringsel/Verkaufsobjekte für die Justinuskirche wurden ebenso wie die deutschen und fremdsprachlichen Leporellos durch Bärbel Frühbeis aktualisiert und komplettiert. Nachbestellt wurden beispielsweise100 Kerzen mit Aufschrift und einem aktualisierten Bild der Justinuskirche.

Der fast 30 Jahre alte kleine Kirchenführer wurde durch Wolfgang Metternich in enger Zusammenarbeit mit Robiné neu konzipiert und getextet. Er wurde in einer Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt.

Die Werbematerial zur Auslage und kostenlose Abgabe in den Touristinformationen wurden von Frau Frühbeis aktualisiert. Durch die Änderung der IBAN der ehemaligen Volksbank Höchst mussten erneut Prospektbeilagen aktualisiert werden. Es ist auch gelungen, einen Übersetzer für die japanische Übersetzung unseres Faltblattes zu finden, das Ergebnis steht aber noch aus.

Peter Abel fertigte und verkaufte ein neues Justinuskirchmesser mit dem Abbild der Sitzfigur unseres Hl. Antonius. Hieraus haben wir 2016 erneut eine große Spende erhalten, für die wir uns bei ihm besonders bedanken.

Robiné stellte den Restbestand seines Buches „Geschichten aus der Rotfabrik“ zum Sonderpreis für den Verkauf zu Gunsten der Kirche zur Verfügung.

Rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt kauften wir noch 300 neue Advents- und Weihnachts-CD s mit historischen Aufnahmen der Höchster Kantorei unter Leitung und Mitwirkung von Rolf Henry Kunz an der Orgel.

Justinusgarten

Gerne besucht wird der Justinusgarten, den Werner Kappes mit einem kleinen Team noch anziehender gemacht hat.

Orgelkonzerte und sonstigen Veranstaltungen

Der von Rolf Henry Kunz durchgeführte Höchster Orgelsommer war erneut ein großer Erfolg mit ausgezeichneten Künstlern, treuen Besuchern und einem interessanten Programm. Erneut konnte die Konzertreihe kostendeckend durchgeführt werden.

Wir nahmen mit der Justinuskirche an der Nacht der Museen 2016 teil. 900 Besucher hatten Gelegenheit drei Konzerte, zwei Führungen und eine mehrwöchige Ausstellung von Holzobjekten des Nieder Künstlers Breit zu erleben.

Am Denkmaltag zeigten wir fast 200 historische Fotos über die Veränderungen seit 1890, insbesondere auch seit 1983, und erklärten ca. 200 Personen die entsprechenden Maßnahmen.

Einen guten Erfolg hatten wir erneut mit dem Altstadtfest, einen hervorragenden am Weihnachtsmarkt. Für unsere undichten Zelte hat Christoph Bucher neue Dächer besorgt.

Auch in diesem Jahr hat das Krippenteam zum ersten Advent die Krippe aufgebaut.

Unseren Ehrenamtlichen sagten wir Danke mit einem kleinen Gartenfest im Herbst.

Seit der Jahresmitte 2016 ist die Justinuskirche Höchst in Facebook auch mit einer eigenen Facebook-Gruppe vertreten, die bis Ende 2016 schon 80 (Facebook-)Mitglieder zählte. Sie haben dort einen zusätzlichen Ort, um sich über die Justinuskirche zu informieren oder um eigene Nachrichten oder Fotos einzustellen. Der Justinuskirche und ihren Veranstaltungen bringt die Facebookpräsens, für die Sheina di Genaro-Bretzler und Jürgen Rothländer verantwortlich zeichnen, neue, zusätzliche Besucher.


Erbschaft

Von dem 2016 verstorbenen Pfarrer Wiedenbauer, der vor Schäfer Pfarrer von St. Josef, Höchst und ein Freund von Jochem Safran war, wurde die Stiftergemeinschaft als Teilerbe seines Geldvermögens eingesetzt. Der vererbte Betrag steht in seiner Höhe noch immer nicht fest und ist noch nicht eingegangen.

Dank

Damit komme ich zum Ende meines Vorstandsberichtes, den ich als Vorsitzender des Vorstandes der Stiftergemeinschaft heute zum letzten Mal erstatte. Wie angekündigt, will ich die „Vollzeitaufgabe“ als Vorsitzender heute abgeben. Gerne stehe ich aber für eine weitere Mitarbeit im Verein und für definierte Aufgaben, zum Beispiel für Führungen, bei der Inventarisierung und im Justinusgarten, zur Verfügung.

In Hinblick auf den 2017 stattfindenden Wechsel des Vorsitzenden habe ich seit Mitte 2016 bereits eine Reihe von Vorstandsaufgaben umverteilt, die langjährig durch mich durchgeführt wurden, so unter anderem die Koordination der Führungen oder die regelmäßige Gestaltung der Ausstellungsvitrine (jetzt Gabriele Rahmann), das Kümmern um Neu- und Nachdrucke oder die Bestellung der „Mitbringsel“ (jetzt Bärbel Frühbeis), außerdem Arbeiten, die jetzt der Schriftführer verantwortet (zum Beispiel das Mitgliederverzeichnis). Diese geänderten Verantwortlichkeiten sind dokumentiert und funktionieren. Danke an alle, die mehr auf ihre Schultern genommen haben.

Der Vorstand wird dem Kuratorium vorschlagen, Werner Brodt in den Vorstand und dort zum Vorsitzenden zu wählen. Wir sind überzeugt, mit ihm den Richtigen für dieses verantwortungsvolle Amt gefunden zu haben und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Vorstandskollegen, bei den Damen und Herren des Kuratoriums – besonders bei Herrn Bouillon und Herrn Vormann - und des Beirats, bei den Damen und Herren der Pfarrgemeinde, des Denkmalschutzes in Limburg, Wiesbaden und Frankfurt, bei unseren Mitgliedern, Spendern, unseren engagierten ehrenamtlichen Helfern, bei der Presse. Ein besonderer Dank geht auch an die Stadt Frankfurt mit Herrn Feldmann, Herrn Brand und den Ortsbeiräten.

32 Jahre durfte ich zusammen mit all diesen Personen oder Gremien für die Justinuskirche und für Höchst arbeiten: Das sichtbare Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit spricht für sich. Ich bin stolz darauf!

Ihnen allen herzlichen Dank für Ihren persönlichen Beitrag.

Ernst-Josef Robiné Vorsitzender

Bericht des Beirats über das Jahr 2016

Der Bericht des Beirats folgt in Kürze.

Bericht des Beirats über 2015

Angesichts des ausführlichen und alle wichtigen Details der durchgeführten Maßnahmen ansprechenden Berichts des Vorstandes konzentriert sich der Bericht des Beirates auf die ins Auge gefassten bauhistorischen Untersuchungen und ihre Bedeutung für die Beurteilung des Alters und des Stellenwertes karolingischen der Justinuskirche. Außerdem wird auf die geplante Säuberung und Konservierung der Antoniusfigur und das im Chor hängende Gemälde des Emmaus-Mahles sowie die geplante Einscannung der älteren Literatur eingegangen Bauhistorische Untersuchungen

Die Rhein-Main-Region und Südhessen weisen eine enorme Dichte herausragender Kirchenbauten aus karolingischer Zeit. Es sind dies in erster Linie Steinbach im Odenwald, die Basilika zu Seligenstadt, die Johanniskirche in Mainz und die Laurentiuskirche (Pfalzkapelle) in Trebur, die karolingische Ursprungs ist, allerdings in ihren aus der Zeit vor 1000 stammenden aufgehenden Teilen als ottonisch (10. Jahrhundert) angesprochen wird. Hinzu kommen noch die Torhalle in Lorsch – kein Sakralbau, aber im Verbund mit der karolingischen Klosterkirche entstanden – und die Pfalz in Ingelheim, wo der gut erkennbare Saalbau in die karolingische Zeit datiert. Auch die Frankfurter Salvatorkirche, die Vorgängerin des Domes, zu der Magnus Wintergerst wichtige neue Erkenntnisse geliefert hat, sowie die Fuldaer Bautengruppe, allen voran das mustergültig bearbeitete Petersberg, gehören zu dieser Gruppe. Im Kreis dieser Bauten zählt die Justinuskirche durch den Erhaltungsgrad ihrer ins 9. Jahrhundert datierenden Bauteile und ihre einzigartige Kämpfer- und Kapitellreihe zu den bedeutendsten Baudenkmälern.

Seit längerer Zeit (Beiratsbericht für 2014) bestehen schon Kontakte zu Lorsch, von wo sich die Verantwortlichen für die Restaurierung der Torhalle, vor allem Frau Katarina Papajanni, intensiv mit den Höchster Mauerstrukturen auseinandersetzten. Auf diese Weise konnte bereits 2014 die Datierung der Justinuskirche ins 9. Jh. durch die C14-Messmethode einmal mehr bestätigt werden. Auch aus Ingelheim gab es Anfragen, die zu einem Bilder- und Informationsaustausch mit Frau Dr. Gerner und Frau Dr. Schulze-Böhm führten.

Von besondere Bedeutung sind die noch nicht abgeschlossenen Grabungen und Untersuchungen in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, wo man unter der 910 geweihten karolingischen Kirche des Erzbischofs Hatto I. (888-913) frühkarolingisches Mauerwerk des 7./8. Jhs. fand und die im Frühmittelalter noch St. Martin geweihte Bischofskirche als monumentalen Kathedralbau von enormer Höhe ermitteln konnte. Man darf hier auf die Grabungspublikation gespannt sein. Angesichts der ergiebigen Arbeiten und Untersuchungen an diesen Bauten ist bei der Justinuskirche, ungeachtet der seit 1983 durchgeführten Arbeiten, ein schmerzliches Defizit erkennbar. Die bauarchäologische Darstellung verharrt letztlich immer noch auf dem Stand der Grabung Beckers von 1926 und der von Stiehl und Dobisch von 1930 – 1932 durchgeführten Restaurierungsarbeiten.

Werner Dobisch, nicht mehr zeitgemäßer Aufriss des Langhauses mit Schadensbefund, 1930
Werner Dobisch, nicht mehr zeitgemäßer Aufriss des Langhauses mit Schadensbefund, 1930

In Besprechungen mit Frau Kenner und Herrn Dr. Harzenetter vom Landesdenkmalamt, Herrn Professor Dr. Kloft als Leiter von der Diözesandenkmalpflege, Herrn Robiné und dem Sprecher des Beirates wurden deshalb Überlegungen zu einer bauhistorischen Untersuchung der Justinuskirche angestellt. Die Kosten und die begleitenden Maßnahmen wurden bereits im Bericht des Vorsitzenden angesprochen, außerdem wird Frau Kenner hierzu berichten.

Dabei geht es nicht allein um eine abschließende klare Datierung des Bauwerks. Ebenso wichtig ist eine stein- und verformungsgerechte Aufnahme der steinsichtigen Wände der Obergaden, wodurch nicht nur die Chance für die Erstellung einer verbesserten relativen und absoluten Bauchronologie eröffnet wird, sondern auch für zukünftige Pflege und drei Sanierungsmaßnahmen das notwendige Planmaterial bereit gestellt wird.

Das Gleiche gilt für bauphysikalische Putz- und Mörteluntersuchungen, deren zu erwartende Ergebnisse geeignet sind in Zukunft Fehler bei der Bausanierung zu vermeiden. Als willkommener Nebeneffekt ist die Beseitigung der gesundheitsschädlichen Glaswollisolierung der Dachböden und die bessere Begehbarkeit des Dachraumes zu begrüßen. Diese Maßnahmen bedürfen allerdings einer sorgfältigen Prüfung und Vorbereitung.

Die Konservierung der Antoniusfigur von 1485 in der Kirche

Die konservatorische Behandlung der Antoniusfigur in der Ostkapelle ist zu begrüßen. Über die Entstehungszeit und die Frage der künstlerischen Urheberschaft, hat der Vorsitzende, Herr Robiné, in seinem Vorstandsbericht schon die nötigen Hinweise gegeben Es handelt sich um eines der wertvollsten Kunstwerke in der Justinuskirche. Die Figur stand, obwohl für einen Schrein gearbeitet, bis 1725 allein auf der spätgotischen Altarmensa im Chorhaupt.

Beim Bau des barocken Hochaltars 1725 wollte man sie zunächst in dessen oberem Teil der Nische, in der jetzt die hl. Margareta steht, unterbringen. Das erwies sich aus ästhetischen wie auch statischen Gründen als unmöglich. Danach fand sie an verschiedenen Stellen in der Kirche Aufstellung bis sie nach 1932 in der Ostkapelle die heutige Aufstellung fand.

Es wird angenommen, dass die Höchster Figur das Vorbild für den hl. Antonius im inneren Schrein des Isenheimer Altars war. Dafür sprechen die im 15. Jahrhundert vier nachgewiesenen engen Beziehungen der Höchster Antoniter zum Konvent in Isenheim (in dieser Zeit wurden mehrere Höchster Generalpräzeptoren aus Isenheim berufen) sondern auch die Entstehungsdaten des Höchster Antonius (Worms 1485) und des Isenheimer (eventuell Straßburg um 1500). Es war in sehr vielen Antoniterhäusern üblich, nach dem Vorbild des Schreins mit den Gebeinen des Ordenspatrons in der Mutterabtei St. Antoine, eine annähernd lebensgroße Figur des Heiligen auf dem Hauptaltar sitzen, seltener stehen zu haben.

Weitere Beispiele sind aus ganz Europa bekannt: Burgos, Kathedrale, Antoniuskapelle; Deruta, Umbrien; Lübeck, Burgkirche und Tempzin Mecklenburg und andere. Die konservatorische Behandlung des Höchster Antonius bietet nun Gelegenheit, auch einige Fragen der ursprünglichen Fassung zu klären. Bisher wird angenommen, dass die derzeit sichtbare Fassung die ursprüngliche ist. Auch wenn Zweifel derzeit nicht angebracht sind, kann nun geprüft werden ob es vielleicht eine ältere Fassung gab und wie das Verhältnis von Schnitzwerk und Fassung zu bewerten ist.

Letztlich kann so auch der Frage nachgegangen werden ob der Schöpfer der Höchster Figur = Hans von Worms = Hans Bilger ist, wie dies verschiedentlich angenommen wird und ob es tatsächlich Beziehungen zum Skulpturenwerk des Lorcher Altares gibt.

Leinwandgemälde Emmaus-Mahl nach Bernardo Strozzi

Das an der Nordwand im Chor hängende Bild des Emmaus-Mahles eines bislang unbekannten Künstlers soll ebenfalls gereinigt und konserviert werden. Die Qualität des Bildes ist derzeit kaum wahrzunehmen, was durch die zu hohe Aufhängung noch erschwert wird. Es handelt sich um die im Neuen Testament von Lukas (Lk. 24,13-35) geschilderte Szene mit dem auferstandenen Christus und zweien seiner Jünger, wie sie von dem Genueser Künstler Bernardo Strozzi (1581-1644) in einer zweiten Fassung zwischen 1606 und etwa 1635 nach Vorbildern von Caravaggio, Rubens und anderen gemalt worden ist.

Von Bernardo Strozzi gibt es mindestens zwei Fassungen des Motivs (Grenoble und Pommersfelden). Insgesamt 15 Fassungen nach Strozzi sind bekannt. Sie werden meist als Werkstattarbeiten oder spätere Kopien bezeichnet, bisweilen wird aber auch vermutet, dass unter diesen sich weitere noch unentdeckte Originale von Strozzis eigener Hand befinden. Für das Höchster Bild dürfte dies nicht zutreffen, dennoch sollte bei der Untersuchung des Bildes auf Hinweise zu Maler und Werkstatt geachtet werden.

Die Konservierung gibt Gelegenheit, bei einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung eventuell den Maler dieser Fassung bzw. deren Provenienz zu ermitteln. Sollten die Antoniter das Bild bereits vor 1622, als der Dreißigjährige Krieg nach Höchst kam, erworben haben, so könnte es sich durchaus um eine Werkstattarbeit aus dem Atelier Bernardo Strozzis handeln. Die Tatsache, dass eines der Originale vermutlich seit 1718 in der Sammlung Schönborn in Schloss Pommersfelden hängt, gibt vielleicht einen weiteren Hinweis. Es wäre interessant zu wissen, wie der Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Lothar Franz von Schönborn, zu dem Bild kam und ob die Höchster Antoniter eine Kopie vom Original ihres geistlichen Oberhirten und Landesherren fertigen ließen, oder ob sie das Bild auf anderem Wege für ihr Kloster in Höchst erwarben, was sie sich damals finanziell durchaus noch leisten konnten.

Scans wichtiger Fachliteratur

Zur Zeit werden, veranlasst durch den Vorsitzenden, Herrn Robiné, die wichtigsten Bücher zur Justinuskirche eingescannt, damit die Literatur in Zukunft einem breiteren Interessentenkreis zugänglich gemacht werden kann. Die Bücher werden durch die wichtigste Aufsatzliteratur ergänzt. Urheberrechte müssen für Erscheinungsdaten vor 1946 nicht mehr beachtet werden:

  • Becker, K.: Grabungsergebnisse bei der St. Justinuskirche in Höchst a.M. Zeitschrift für Denkmalpflege 1, 1927, pp. 104-107.
  • Dobisch, Werner: Die Wiederherstellung  der Justinuskirche in Höchst. Die Denkmalpflege 1932, pp. 128-135.
  • Falk und Heckmann: Die karolingische Säulenbasilika zu Höchst am Main.
  • Meyer Barkhausen, Werner: Die Kapitelle der Justinuskirche in Höchst a.M. Jahrbuch der preussischen Kunstsammlungen 1933, pp. 69-90.
  • Geschichtsblätter für die mittelrheinischen Bistümer 1, Nr, 2, 1884, pp. 46-50.
  • Müller, F.H.: Über die Architectur der alten Kirche zu Höchst am Main. Nassauische Annalen 2, 3. H., 1837, pp. 73-80. Mit einem Nachtrag von Vogel und einem Epitaphienverzeichnis nach Helwich von Habel.
  • Stiehl, E.: Die karolingische Säulenbasilika (Justinuskirche) in Höchst. Die Denkmalpflege 1931, pp. 160-162.
  • Wagner, Paul: Über ein angebliches Kloster zu Höchst am Main in karolingischer Zeit. Nassauische Annalen, 48, 1927, pp. 108-113.

Langfristig einzuscannen:

  • HHStAW: Diarium der Antoniter, in Abstimmung mit HHStsW; Helwich, Epitaphienverzeichnis (Grabdenkmäler aus seinem Nachlass), Höchst.

Zum Schluss gilt es auch von Seiten des Beirats dem Vorstand, den Mitgliedern der Gremien und vor allem den ehrenamtlichen Helfern für ihr großes Engagement zu danken, ohne das die Justinuskirche nicht zu dem Gotteshaus und Kunstdenkmal geworden wäre, an dem wir und die vielen Besucher so viel Freude haben.

Für den Beirat

Dr. Wolfgang Metternich