Die heutige Innenausstattung

Altäre

Die Altäre der karolingischen Kirche des 9. Jahrhunderts

Über die Altäre und das Grab des heiligen Justinus wissen wir aus einem Weihegedicht des Erzbischofs Rhabanus Maurus von Mainz gut Bescheid.

Der Hauptaltar („altar primus“) stand im mittleren Chorraum, direkt vor der heutigen Kommunionbank. Der Altar war Christus und Maria, dem Evangelisten Markus und den Heiligen Alban und Bonifatius geweiht.

Seitlich des Hauptaltares, umfangen von den Apsiden, standen zwei Seitenaltäre. Diese waren nach der damaligen Liturgie in der Feier der heiligen Messe eng mit dem Hauptaltar verbunden. An ihnen wurde die Vormesse gefeiert und auch die Gaben der Gemeinde wurden hier niedergelegt.Der südliche Seitenaltar („altar australis“) hatte als Patrone die Heiligen Fabian, Petrus und Marcellinus, Agapet, Felicissimus und Felicitas. Der nördliche Seitenaltar („altar aquionalis“) war den Märtyrern Stephanus und Laurentius, den hl. Päpsten Alexander und Urban und dem hl. Severus geweiht.

Unter dem Triumphbogen am Ende des Mittelschiffs stand der Kreuzaltar. Als wertvollste Reliquie barg er einen Partikel des heiligen Kreuzes. Weiterhin wurden hier die Apostel Petrus und Andreas, die Heiligen Valerian, Tiburtius, Martin von Tours, Benedikt, Cäcilia und Lioba verehrt.

Hinter dem Hauptaltar war das Grab des Kirchenpatrons, des hl. Justinus Confessor.

Barocker Hochaltar (1726)

Der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert war in den Ausmaßen des Isenheimer Altars geplant worden. Er wurde aber bis auf die Statue des hl. Antonius nie vollendet.

1726 wurde der Hochaltar des 15. Jahrhunderts von den Antonitern durch einen barocken Nachfolger ersetzt. Sie gaben 1724 bei dem Mainzer Schreiner Johann Wiess ein Gesamtkunstwerk, einen monumentalen nussbaumfurnierten Altar in Auftrag. Dieser Altar ist eine typisch barocke Schauarchitektur, verwandt mit Theaterkulissen, welche die Gläubigen durch Prunk und reiche Ausführung zu beeindrucken suchte.

Das Altargemälde (4,25m lang und 2,85m breit) zeigt die Kreuzigungsszene. Es stammt von Christoph Jung. Bestandteil des Altars sind qualitätvolle, überlebenslebensgroße Plastiken des hl. Josef mit dem Jesuskind und des hl. Augustinus, nach dessen Ordensregel die Antonitermönche lebten. Sie wurden von dem Frankfurter Bildhauer Uhrwerker geschaffen. Die hl. Margarete mit dem Drachen (oberhalb des Altarbildes) stammt von Johann Jakob Juncker (1750). Außerdem gibt es vier Engelfiguren, von denen die beiden kleineren Martin Bieterich, Mainz, geschaffen hat. Die Antoniter als Auftraggeber werden durch ein Wappen mit dem Tau-Kreuz und dem seit 1502 den Antonitern verliehenen Reichsadler ausgewiesen. Alle Plastiken sind in ihrer ursprünglichen Fassung erhalten.

Der nunmehr dritte (bekannte) Tabernakel und sein Aufsatz aus Messing entstanden 1932 nach einem Entwurf von Regierungsbaurat Werner Dobisch durch die Fa. Zimmermann in Frankfurt am Main. Er trägt die Aufschrift "Tabernaculum dei cum hominibus" (Haus Gottes unter den Menschen). Auch das Antependium um den noch erhaltenen, ursprünglichen Sandstein-Altartisch der Bauzeit ist neueren Datums. 1822 hatte der Höchster Schreiner Jacob Weingärtner einen neuen Unterbau für den Hochaltar gefertigt. 1826 wurde der untere Teil des Hochaltares erneuert. Die Vorderseite der in einer Nische an der Südseite des Chores stehende barocke „Credenz” könnte das 1822 entfernte Antependium des Hochaltares sein.

Der Hochaltar ist einer der bedeutendsten Altäre im Bistum Limburg. Er wurde 1932 bis 1933 und zuletzt zwischen 1984 und 1987 von Kleinschmidt, Speicher (Eifel) restauriert, ebenso das Altargemälde und die Altarfiguren durch Pracher, Würzburg. Der Messing-Tabernakel und sein Aufsatz wurden 2009 durch Engert, Würzburg restauriert. 2011/2012 erfolgte neben einer Komplettreinigung der Furnierteile des Altares und des Altarbildes eine grundlegende Restaurierung aller sieben Figuren durch Pracher. Dabei wurden die nachweisbaren barocken Originalfarben und die Vergoldungen, Versilberungen und Lüsterungen wieder hergestellt.

Sakramentshäuschen

Links vom Hochaltar ist in die Südwand des Chores ein Sakramentshäuschen eingebaut. Über dem Gitter trägt es das Wappen des Antoniterpräzeptors Johannes Gutgelt, der den Chor vollendet hat. Sein Wappen befindet sich auch in einem der ehemaligen Schlusssteine des Hochhores, die heute im Eingangsbereich des Justinusgartens eingebaut sind. Das Sakramentshäuschen, das durch Blendbogen gegliedert ist, wird durch Zinnen bekrönt.

Früheres heiliges Grab?

In der Südwand des Chores neben dem Hochaltar ist eine 200 cm breite und 38 cm tiefe Nische aus der Bauzeit des Chores eingelassen. Die Steine tragen die gleichen Steinmetzzeichen wie die Dienste zwischen den Chorfenstern. Vermutlich nahm sie einmal ein „Heiliges Grab” oder eine "Grablegung Christi" auf. Heute steht dort die sogenannte „Credenz” mit kunstvollem Schnitzwerk und dem Antoniterwappen, vermutlich die Schauseite des 1822 entfernten Unterbaus des Hochaltares.

Kreuzaltar (1485)

Der Kreuzaltar wurde 1485 von dem Kastenmeister (Finanzverwalter) der Höchster Antoniter, Wigandus von Grünberg, gestiftet. Es handelt sich um einen Wandelaltar, der ursprünglich als Altar der Pfarrgemeinde vor dem (heute verlorenen) Lettner − die im Mittelalter übliche Position für einen Kreuzaltar − am Ostende des Mittelschiffs stand. Der Kreuzaltar befindet sich heute in der mittleren der drei nördlichen Seitenkapellen.

Die Vorderseiten der beiden Seitenflügel zeigen in vier Bildern Szenen aus der Kreuzlegende, die Auffindung des Kreuzes um das Jahr 330 durch die Kaiserin Helena und die Rückführung des Kreuzes nach Jerusalem durch den Kaiser Heraklios im 7. Jahrhundert.

Das Mittelteil des Altars wurde 1485 von einem unbekannten Meister in Worms gefertigt. Es zeigt die Kreuzigung Jesu in der Form des sogenannten „Volkreichen Kalvarienberges” nach Kupferstichen von Martin Schongauer.

Die beiden (inneren) Altarflügel aus der gleichen Werkstatt zeigen vier Szenen der beiden Kreuzlegenden: die Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin Helena und die Identifizierung des Christus-Kreuzes durch die Auferweckung eines toten Jünglings um das Jahr 330 sowie den Versuch des Kaisers Heraklios, nach Jerusalem einzureiten, und den Einzug des Kaisers zu Fuß.

Die Außenseiten der Altarflügel wurden 1608 mit großen Apostelfiguren und anderen Heiligen bemalt, eine Stiftung des Antoniters Adolph Hermann, der damals Pfarrer von Höchst war. Die Malereien sind stark beschädigt. Erkennbar sind noch der Apostel Andreas und der Heilige Georg.

Auf der Predella unterhalb der Mitteltafel wird Jesus als Weltenherrscher im Kreis der zwölf Apostel gezeigt. Von links nach rechts sieht man mit ihren Kennzeichen die Heiligen Andreas (Kreuz), Jakobus d.Ä. (Pilgerstab, Jakobsmuschel), Matthäus (Winkelmaß), Jakobus d.J. (Walkerstab), Philippus (Kreuz und Buch)und Petrus (Schlüssel). Rechts neben Jesus sieht man die Heiligen Johannes (Kelch), Bartholomäus (Schindmesser), Thomas (Lanze), Paulus (Schwert und Buch), Simon (Säge) und Judas Thadäus. (Hellebarde).

Auf den unbekannten Meister verweisen die Buchstaben NGH auf der roten Kopfbedeckung eines Knaben am linken Seitenflügel. Weitere Hinweise könnten bisher noch nicht entzifferte Buchstabenfolgen im Gürtel des Mannes geben, der die Kreuze ausgräbt.

Der Höchster Kreuzaltar steht in enger Verbindung zu dem Wörther Kreuzaltar, der sich heute in St. Nikolaus in Wörth am Main befindet. Dieser wurde um 1485/1490 von Graf Philipp I von Hanau (1449 -1500) für das Seelenheil seiner verstorbenen Eltern, Graf Reinhard III. von Hanau (seit 1451 Graf von Hanau, † 20.04.1452) und Margaretha von Pfalz-Mosbach († 14.09.1457) für die Maria-Magdalena-Kirche in Hanau oder für die St. Martinskapelle in der Hanauer Burg gestiftet. 1441 hatten sich die Antoniter von Roßdorf bei Hanau dem Einflussbereich des damaligen Grafen von Hanau (Reinhard II von Hanau, ca. 1369, † 1451) entzogen und waren nach Höchst gekommen. Da sie weiter umfangreiche Güter und einen Vertreter in Roßdorf hatten, dürften die jeweiligen Aktivitäten in Höchst und in Hanau gegenseitig bekannt gewesen sein. Denkbar ist also, dass beide Altäre in der gleichen Werkstatt entstanden sind. Bezüglich der zeitlichen Einordnung gibt es unterschiedliche Meinungen.

Die Tafeln des Höchster Kreuzaltares haben eine bewegte Vergangenheit: Nachdem 1812 der Lettner und der davor stehende Kreuzaltar beseitigt wurden, kamen die Bildtafeln 1858 aus dem Pfarrhaus in die Wallfahrtskirche Mariental im Rheingau. Ab 1905 wurden sie in der Kapelle des Konviktes in Hadamar aufgestellt. Erst 1935 wurden sie in die Justinuskirche zurückgeführt und auf einem neu gefertigten Altar an ihrem heutigen Platz in der Mittelkapelle aufgestellt. Im Dezember 2009 wurden die beiden Seitenflügel des Kreuzaltares in einer Ausstellung außerhalb der Justinuskirche beschädigt. Sie wurden bis April 2010 bei Pracher, Würzburg, restauriert. 2011 wurden, ebenfalls bei Pracher, auch die Mitteltafel und die Predella gesäubert und damit den Seitenflügeln farblich angepasst.

Barocker nördlicher Seitenaltar (Pieta)

Der nördliche Altar ist eine Pietà, er zeigt Maria als „Schmerzensreiche Mutter“, die den toten Jesus im Arm hält. Der Altar, ein einfacher Holzaltar, bei dem das Nußbaumfurnier durch "Bierfarben" nachgeahmt wurde, wurde 1812 aus dem 1803 aufgehobenen Kloster Gottesthal bei Oestrich im Rheingau nach Höchst gebracht. Bis 1932 stand dieser Altar im Südseitenschiff. Restaurierungen fanden 1888 (farbige Neufassung) zwischen 1985/86 und 2014 durch Pracher, Würzburg, statt.

Barocker südlicher Seitenaltar (Maria Königin)

Auf dem Altar im Südseitenschiff wird Maria als Königin mit dem Jesuskind auf dem Arm auf einer Mondsichel dargestellt. Der nußbaumfurnierte Altar mit vergoldeten Schnitzereien wurde 1812 aus dem 1803 aufgehobenen Kloster Gottesthal in Oestrich im Rheingau nach Höchst gebracht. Durch die Jahreszahl 1737 unter der Konsole, auf der die Madonna steht, ist sie genau datiert. Bis 1932 stand dieser Altar im nördlichen Seitenschiff. Restaurierungen fanden 1888 (farbige Neufassung)und durch Pracher, Würzburg zwischen 1985 und 1986 sowie 2012 und 2013 statt.

Kriegergedächnisaltar

1932 stifteten die an der Grundsanierung der Justinuskirche beschäftigten Firmen der Pfarrgemeinde einen neuen, schlichten Altartisch aus Muschelkalk. Er wurde gleich hinter der Kommunionbank aufgestellt. Unter dem Altar wurde eine kupferne Kassette versenkt, die die Namen der gefallenen Höchster enthält. Die Seitenwangen tragen auf der Außenseite die Inschrift „Dem Andenken der im Kriege fürs Vaterland Gefallenen 1914 – 1918.“ (links) und „Ihr Scheiden von uns erschien wie ein Untergang, aber sie sind im Frieden.“ (rechts). Nach dem Entwurf des Preussischen Baumeisters Dobisch, der die Arbeiten an der Kirche geleitet hatte, wurden auch ein neues Kreuz und sechs passende Leuchter für den Altar geschaffen (Ausführung: Goldschmiedemeister Walter Gießübel, Frankfurt-Eckenheim). Das Kreuz zeigt Jesus nicht als Schmerzensmann sondern als König mit Krone und der Aufschrift "König der Könige und Herr der Herrscher". Es ist eingefasst von einem Kranz aus durchsichtigem, blauen Email.

An diesem Altar wurde mit einer Sondergenehmigung schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil durch den damaligen Rektor Höckel die Messe mit dem Gesicht zur Gemeinde gefeiert.

Taufbecken

Das Taufbecken in der westlichsten Kapelle der Nordseite zeigt, dass alle Zeitepochen die Justinuskirche geprägt haben: Drei nach links sehende romanische Löwen aus rotem Sandstein, die das Taufbecken aus Sandstein tragen, sind die ältesten Ausstattungsgegenstände der Justinuskirche. Dehio datiert sie auf das Ende des 12. Jahrhunderts. Sie tragen das unter den Antonitern um 1480 entstandene spätgotische Taufbecken mit angeschnittenen Dreipässen. Auf einem Holzdeckel aus den 1930er Jahren steht die Holzfigur des hl. Johannes des Täufers des 18. Jahrhunderts in Originalfassung. Auf ihrem Holzsockel ist in Ritzbuchstaben zu lesen: JOH. KRÄMER. Vermutlich handelt es sich bei dem Stifter um den Höchster Schöffen Johann Krämer (1667-1755), der die Figur seines Namenspatrons vor 1755 stiftete.

Das Taufbecken, die Löwen und die Barockfigur des Johannes des Täufers, wurden 2013 und 2014 durch Pracher, Würzburg, und durch Stein, Karlstein, restauriert.

Heiligenfiguren

Sitzfigur des hl. Antonius

Der hl. Antonius Eremita, ein ägyptischer Einsiedler des 4. Jahrhunderts, war der Ordenspatron der Antoniter. In der Regel stand seine lebensgroße Statue auf dem Hochaltar der Klosterkirche. Obwohl der Altar des 15. Jahrhunderts durch den heutigen Barockaltar ersetzt wurde, hat sich die 1485 in Worms gefertigte, Antoniusfigur erhalten.

Die lebensgroße Holzfigur ist eines der bedeutendsten Werke der Bildhauerkunst des Mittelrheins aus der Zeit der spätgotischen Skulptur.

Die Figur des hl. Antonius in Höchst steht in enger Beziehung mit der im weltberühmten Isenheimer Altar, die der dortige Präzeptor Jean d'Orlier fünf Jahre später (1490) von dem Bildhauer Hagenauer fertigen ließ. Das ist erklärbar durch die besonders engen Beziehungen und den häufigem Austausch von Präzeptoren zwischen den beiden großen Antoniterklöstern.

Eine weitere Verbindung gibt es vom Höchster Antonius zu Karl dem Großen im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Alfred Rethel (geboren 1816 bei Aachen, gestorben 1859 in Düsseldorf) war ein Historienmaler der Spätromantik. 1836 übersiedelte er nach Frankfurt an das Städelsche Kunstinstitut, wo er bis 1847 blieb. 1839 gewann er den Wettbewerb um die Ausmalung des Krönungssaales des Aachener Rathauses mit Themen aus dem Leben Karls des Großen. Von acht der Fresken wurden drei im 2. Weltkrieg zerstört. In seinem Skizzenbuch findet sich zum Beispiel eine Zeichnung von 1851, die den Höchster Antonius darstellt. Rethel muss aber schon deutlich vorher in Höchst gewesen sein: Sein Aquarell mit Kohle "Der Kopf Karls des Großen" von 1846, zeigt eindeutig den Höchster Antonius, ebenso sein Fresko "Otto der Große in der Gruft Karls des Großen", dessen Entwurf offenbar schon 1842 fertiggestellt war.

Hl. Sebastian

Am nördlichen Triumphbogenpfeiler steht eine schöne Barockfigur des heiligen Sebastian, an einen Baum gefesselt. Er hatte in der Justinuskirche einen eigenen Altar. Als Schutzheiliger gegen die Pest genoss er großes Ansehen. Die farbig gefasste Figur wurde 1989 durch Pracher, Würzburg, restauriert.

Heiligenfiguren aus dem Bolongaropalast

Die farbig angelegten, barocken Figuren aus Gips und Stuck über einem Holzkern standen von 1775 bis 1893 in der damaligen Kapelle des Höchster Bolongaropalastes. Entstanden sind sie zwischen 1773 und 1775 vermutlich in Mainz. Nach Umbau der Kapelle für Zwecke des Weinhandels wurden sie von dem Maler Gottschalk zu gleichen Teilen den Kirchen der beiden Konfessionen geschenkt. Vier der barocken Figuren - die Heiligen Petrus und Paulus, Margarethe und Justinus - erhielt die katholische Justinuskirche, die vier Evangelisten erhielt die evangelische Stadtkirche, wo sie noch heute stehen.

In der Justinuskirche fanden sie mit vier weiteren Neuanfertigungen aus der Kunstanstalt in Cleve (Statuen von Karl dem Großen, Hrabanus Maurus, Antonius und Anna) ihren Platz über den Säulen des Langhauses. 1930 fielen sie deer purifizierenden Restaurierung zum Opfer. In Unkenntnis ihres Alters und ihrer Herkunft wurden sie auf den Speicher gestellt. 1987 wurden sie bei Pracher, Würzburg restauriert. Seither sind sie an der Südwand aufgestellt.

Petrus und Paulus

Erhalten sind die fast lebensgroßen geschnitzten Apostelfürsten Petrus und Paulus, die beide in der Justinuskirche einen eigenen Altar hatten. Ihre ursprüngliche Fassung ist verlorengegangen. Sie werden nur noch bei Ausstellungen gezeigt.

Chorgestühl

Im Chor steht das eichene Chorgestühl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die dem Altar zugewandten Seitenwangen und je acht Sitze sind original erhalten. Die Seitenwange an der nördlichen Chorwand zeigt in qualitätvoller Flachschnitzerei den hl. Antonius Eremita, die an der südlichen Chorwand den hl. Paulus. Auch hier trägt er - wie der steinerne hl. Paulus am Hauptportal - ein Gewand aus Eichenblättern anstelle der in der Legende erwähnten Palmblätter.

Die fehlenden Teile, darunter die Rückwand (Dorsale) und der Baldachin mit seinen Blendarkaduren gingen vermutlich bei der Restaurierung 1832/1833 verloren. Bei einer erneuten Restaurierung um 1932 wurden die vorderen Wangen, die das Chorgestühl seitlich begrenzten, aus ihrer ursprünglichen Lage herausgenommen und um 90 Grad verdreht - also mit Blick zum Kriegergedächnisaltar - aufgestellt. Hinzu wurde ein schmucklose Kniebank aufgestellt.

1986 erhielt das Chorgestühl wieder seine ursprüngliche Form: Es wurde komplett restauriert und entsprechend seiner alten Form ergänzt. Der Verlauf des Baldachins war aus den Nuten in den Seitenteilen rekonstruierbar. Nach Fertigstellung entschieden die Denkmalschützer, dem Chorgestühl auch wieder eine zeitgenössische Bekrönung in Schnitzwerk zu geben. Diese wurde dem Chorgestühl von Kiedrich im Rheingau, das dem Höchster eng verwandt ist, nachempfunden. Die Restaurierung erfolgte durch Gisbert Kleinschmidt, Speicher (Eifel). Auf eine Kniebank wurde verzichtet.

Kanzel

1812 kam die heutige Kanzel im klassizistischem Stil der Zeit, dem Empire, in die Kirche. Sie ist in ihrem ursprünglichen Zustand vorhanden. Mit ihrem Korpus und dem Schalldeckel nimmt sie noch Rücksicht auf die barocken Altäre und die Orgel des vorangegangenen Jahrhunderts. Auf einer Holzfassung trägt sie eine graue Ölfarbmarmorierung mit reicher, vergoldeter Ornamentik: unter der Kanzel Akanthusblätter, Kelch, Kreuz und Lorbeerkranz als Mittelemblem, Girlanden, unterhalb des Kanzeldeckels den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Über dem Schalldeckel tragen vier kleine Urnen, die einen weiteren kleineren Deckel halten, eine große Gloriole (Strahlen) mit dem Auge Gottes im Mittelpunkt. Die Kanzel wurde von dem Höchster Schreinermeister Appel 1812 neu geschaffen. Sie ist damit das einzige originale Ausstattungsstück aus dem 19. Jahrhundert in der Kirche. Sie ist auch das einzige große Ausstattungsstück, das in Höchst von einem Höchster Handwerker geschaffen worden ist. Die Kanzel hat ihren Zugang von der Sakristei her. Dafür hat man 1812 einen Pfeiler durchbrochen.

1987 erfolgte eine umfassende Restaurierung der Kanzel durch Peter R. Pracher, Würzburg.

Die Vorgängerkanzel, etwa seit 1460 an dieser Stelle, war in den Lettner integriert. Von ihm gibt es nur noch Spuren an der südlichen und der gegenüberliegenden Pfeilervorlage. Sie wurde mit dem Lettner, der die Sicht zum Hochaltar verdeckte, 1812 entfernt.

Orgeln

Schwalbennestorgel

Früheste sichere Nachricht über eine Orgel in der Justinuskirche haben wir aus der Zeit zwischen 1454 und 1464. Aber weder über ihre Beschaffenheit, die Größe, die Disposition noch den Standort haben wir Kenntnis. Allerdings ist zumindest der Standort heute erforscht: Es dürfte sich um eine Schwalbennestorgel an der Nordwand des Mittelschiffes gehandelt haben, wie bei den Restaurierungsarbeiten an der Kirche 1932 festgestellt wurde. Entsprechende Nachweise gibt es noch heute im nördlichen Dachgeschoss. Diese Orgel hat rund 200 Jahre ihren Dienst getan. Rechnungen über die Kirchenorgel erscheinen ab dem 30jährigen Krieg, ab 1648 wird auch ein Organist erwähnt. Kloster und Bürgerschaft trugen gemeinsam zum Erhalt der Orgel bei.

Barocke Onimus-Orgel (1740)

Da sich seit 1730 die Reparaturen häuften, diese immer teuerer wurden und sich die finanziellen Verhältnisse der Höchster Antoniter nach einer Zeit des Niederganges deutlich gebessert hatten, erging 1736 an Josef Anton Onimus, Mainz, der Auftrag für eine neue Orgel.

Als Standort wurde der Platz vor der Westwand des Mittschiffs bestimmt. Auf zwei zierlichen ionischen Sandsteinsäulen wurde zwischen den beiden letzten Arkaden des Mittelschiffs eine Empore errichtet, die beiderseits unter den Arkadenbögen hindurch in die Seitenschiffe hineinragte.

Die eigentliche Orgel wurde durch Onimus entworfen, das Werk auch von ihm selbst erbaut. Teile der Orgel wurden an Mainzer Handwerker vergeben: Das Gehäuse an den Schreiner Weiser, die als Toxal bezeichnete Orgelbühne an den Zimmermeister Mulch, die Schnitzereien und die beiden Posaunenengel an den Bildhaueer H. Voßbach. MitAusnahme der Bandelwerkornamente handelt es sich um einfache Arbeiten, die erst im Zusammenklang des ganzen Prospekts ihre Wirkung entfalten. Die Orgel wurde 1740 fertiggestellt.

Die Orgel folgte nach dem Prinzip der Werkeinheit einer klaren Konzeption. Das Werk teilte sich in Pedalwerk, Hauptwerk und Rückpositiv. Diese Aufteiloung war am Prospekt in den seitlichen Pedaltürmen, dem Mittelturm mit den flankierenden Türmchen und den vorgestellten Rückpositiv deutlichklar und überschaubar abzulesen.

Die Disposition der zweimanualigen Onimusorgel ist aus der Zeit oder einem Werkvertrag mit dem Meister nicht überliefert. Im Prospekt und den Resten des Werkes war sie zuletzt kaumnoch zu ermitteln, obwohl einige Pfeifen des ersten Werkes die Zeiten überstanden hatte.

Allerdings überlieferte der berühmte Mainzer Orgelbauer Bernhard Dreymann in einem Kostenvoranschlag vom 16.11.1832 eine nähere Beschreibung des Werkes:

a. Manual b. Positiv c. Pedal
1. Prinzipal 8' von Zinn 15. Prinzipal 4' Zinn 24. Principalbass 8' Holz
2. Salicional 8' 16. Großgedackt 8' 25. Violonbass 16'
3. Viola di Gamba 8' von Zinn 17. Waldflöte 4' 26. Violonbass 8'
4. Großgedackt von Zinn 18. Octav 2' 27. Mixturbass 1' 3fach
5. Oktav 4' von Zinn 19. Waldflöte 2'  
6. Flöte 4' Holz 20. Quinta 1 1/3'  
7. Quinta 3' Zinn 21. Cornett Discant 3fach  
8. Quintflöte 3' Zinn 22. Mixtur 1' 3fach  
9. Superoctav 2' Zinn 23. Vox humana 9'  
10. Flageolet 2' Zinn    
11. Quinte 1 1/2 Zinn    
12 Sesquialter 2f 1/2    
13. Mixtur 3fach 1'    
14. Trompete 8'    

Die barocke Orgel wurde in den beiden Jahrhunderten bis nach dem 2. Weltkrieg mehrfach dem Zeitgeschmack angepasst und damit ihres ursprünglichen Klangbildes beraubt.

Die Kuhn-Orgel, eine hervorragende Konzertorgel (1988)

1987/88 wurde in den barocken Orgelprospekt eine neue, hervorragende Konzertorgel der Firma Fa. Kuhn, Männedorf (Schweiz) eingebaut. Das Orgelgehäuse wurde in denkmalpflegerischem Sinn restauriert und, wo nötig, rekonstruiert. Das Orgelwerk selbst wurde völlig neu und modern konzipiert, allerdings unter Berücksichtigung historischer Gegebenheiten und des mittelrheinischen Kulturraumes, sowie unter Wiederverwendung einzelner alter Pfeifenreihen. Hierdurch hat die Orgel ihr ursprüngliches Aussehen zurückgewonnen, vor allem aber eine erstklassige Konzertqualität erhalten. Die Justinuskirche ist heute Aufführungsort von hervorragenden Orgelkonzerten mit internationalen Künstlern, zum Beispiel im Rahmen des „Höchster Orgelsommers“.

Die Orgel verfügt über 43 klingende Register und 2817 Pfeifen.

1997 wurde auf Betreiben des Organisten Rolf Henry Kunz der ursprünglich eingebaute Clairon 4' durch eine Cymbel − eine Mixtur der höchsten Töne und Kleinpfeifen − ersetzt. Seither erklingt die Orgel der Justinuskirche nicht mehr mit französischer, sondern mit deutscher Klangkrone.

I. Manual, Positiv II. Manual, Hauptwerk III. Manual, Echowerk Pedalwerk
Umfang 58 Tasten C-a³ Umfang 58 Tasten C-a³ Umfang 58 Tasten C-a³ schwellbar Umfang 32 Tasten C-g(hoch 1)
1. Principal 8' 13. Bourdon 16' 26. Bourdon 8' * 35. Violonbass 16' *
2. Bourdon 8' 14. Principal 8' 27. Flöte 8' * 36. Subbass 16' *
3. Quintatön 8' 15. Hohlflöte 8' 28. Salicional 8' 37. Praestant 8'
4. Praestant 4' 16. Viola di Gamba 8' * 29. Gemshorn 4' * 38. Gedackt 8'
5. Gedacktflöte 4' * 17. Coppel 8' 30. Traversflöte 4' * 39. Quinte 5 1/3'
6. Nasard 2 2/3' 18. Octave 4' 31. Waldflöte 2' 40. Octave 4'
7. Flageolet 2' 19. Rohrflöte 4' 32. Echocornet 3fach 2 2/3' 41. Bombarde 16'
8. Terz 1 3/5' 20. Quinte 2 2/3' 33. Basson-Hautbois 8' 42. Posaune 8'
9. Sifflet 1' 21. Superoctave 2' 34. Vox humana 8' 43. Clarine 4'
10. Mixtur 3-4fach 1 1/3' 22. Mixtur 4-5fach 2' --. Tremulant -
11. Sordun 16' 23. Cymbel 3fach 1' -  
12. Cromorne 8' 24. Cornet 5fach 8' -  
--. Tremulant 25. Trompete 8' - -

Die mit * gekennzeichneten Register stammen aus dem Jahr 1736.

Koppeln:
Rückpositiv - Hauptwerk
Echowerk - Hauptwerk
Hauptwerk - Pedal
Rückpositiv - Pedal
Echowerk - Pedal

Kombinationen
Die Setzeranlage wurde 2008 durch den Orgelbauer Kuhn, Männedorf (Schweiz), von 32 Setzerkombinationen (1988) auf 3168 elektronische Setzerkombinationen erweitert.

Fresken

Fresko am Triumphbogen über dem ehemaligen Kreuzaltar

Am Triumphbogen am östlichen Abschluss des Mittelschiffes ist ein (1894 freigelegtes) Fresko aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert erhalten: Christus, auf dem Regenbogen sitzend als Weltenrichter, links von ihm Maria und rechts der heilige Johannes, der Lieblingsjünger, umgeben von Posaune und Trompeten blasenden Engeln. Am linken unteren Rand des Regenbogens sieht man das Wappen des Stifters, einen springenden Hirsch mit dem Antoniterzeichen. Es ist das Wappen des Antoniterpräzeptors Johann von Collick (Präzeptor in Höchst von 1464 bis 1487). Er war vorher Präzeptor im Isenheimer Antoniterkloster.

Das Fresko ergab einen Sinnzusammenhang - wie auch die anderen Fresken - mit dem darunter stehenden Kreuzaltar. Er zeigte die Kreuzigung, am Triumphbogen darüber sahen die Gläubigen das Bild der Auferstehung der Erlösten. Johann Collick ließ in seinem Namenspatron Johannes sowohl seinen himmlichen Fürsprecher als auch sich selbst, um Aufnahme in den Himmel bittend, darstellen. In seinem Testament hatte er 1487 die Justinuskirche als seine Grabstätte bestimmt und der Kirche sein nicht unbeträchtliches Silbergeschirr vermacht. Er wurde in der Präzeptorengruft bestattet.

Das Fresko wurde 1987 durch Peter R. Pracher, Würzburg, konserviert und restauriert (Malschichtfestigung, Schließen von Rissen und Putzlöchern, Aquarellretusche).

Fresko hinter dem südlichen Marienaltar (vor der ehemaligen Heilig-Kreuz-Kapelle)

Ein weiteres Fresko der Justinuskirche ist bereits seit 1811 (mit einer kurzen Ausnahme um 1985) der Sicht der Besucher entzogen. Das nie überstrichene Fresko mit Seccoausmalung (2,70 breit und 3,00 m hoch) ist an der Wand hinter dem südlichen Seitenaltar angebracht und nur von der Sakristei her zugänglich. Dort, hinter dem Seitenaltar, befindet sich noch heute ein Eingang, der vom Südseitenschiff in die frühere Heilig-Kreuz-Kapelle führte (in der sich heute die Sakristei befindet). Über dieser Tür befindet sich auf einer gelb grundierten Fläche eine Kreuzigungsszene, links Maria, rechts der heilige Johannes vor einem mit gelben Sternen und schwarzen, sechspunktigen Rosen dekorierten rotgrundigen Secco-Hintergrund. Vier Engel, blau gewandet, mit gründen Flügeln, fangen das kostbare Blut Christi in gelben Kelchen auf. Rechts neben der Tür ist die heilige Barbara mit dem Turm abgebildet.

Das Fresko wurde 1989 durch Peter R. Pracher, Würzburg, konserviert und restauriert (Malschichtfestigung, Putzkantenanböschungen, Aquarellretusche).

Fresko des heiligen Sebastian an einer Säule

An der vordersten Säule der nördlichen Arkaden kann man noch schwach die Konturen eines anderen Frescos, hochgereckter Arme und einen Heiligenschein, entdecken. Es sind die Reste eines Freskos, das den heiligen Sebastian, an einen Baum gebunden, darstellt. Auch auf der anderen Seite dieser Säule gibt es nicht mehr deutbare Konturen. An dieser Säule stand ursprünglich der Sebastianaltar, auf gleicher Höhe an der vordersten südlichen Säule der Rochusaltar.

Sonstige Kirchenausmalung

Die Justinuskirche dürfte im Laufe ihrer Geschichte, besonders in karolingischer Zeit oder unter den Antonitern reich bemalt gewesen sein. So ist bekannt, dass bei einer Neuausmalung der Kirche 1893/1894 unter den südlichen Laibungen der Arkaden „schöne Engelbrustbilder” gefunden − und übermalt wurden.

Gemälde

Zur Ausstattung der Justinuskirche gehören auch große Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, die hoch im Chor hängen: eine Brotbrechung Christi, eine Grablegung Christi und der heilige Antonius. Restauriert wurden sie 1835 durch den Maler L. Dodel in Flörsheim und 1989 durch Pracher, Würzburg.

Schlusssteine

Schlusssteine aus dem Hochchor der Justinuskirche

Das Gewölbe des gotischen Hochchores der Justinuskirche war vermutlich um 1464 fertiggestellt. Schon 1523 musste das gotische Rippengewölbe mit den Schlusssteinen im Scheitelpunkt herausgenommen werden. Die beiden Schlusssteine – 0,64 Meter im Durchmesser und 0,32 Meter hoch - haben sich bis heute erhalten, da sie im Antoniterkloster eingemauert waren. Von 1967 bis 2007 befanden Sie sich im Museum des Höchster Geschichtsvereins im alten Schloss. Nach dessen Auflösung wurden Sie durch Vermittlung der Stiftergemeinschaft Justinuskirche 2008 der Pfarrgemeinde übereignet. Seit 2009 sind sie im Eingangsbereich des Justinusgartens geschützt aufgestellt.

Schlussstein mit dem Wappen des Hugo von Bellmonte

Dieser Schlussstein aus dem Hochchor erinnert an Hugo von Bellmonte. Er ist 1429 Präzeptor des Antoniterklosters in Isenheim (Elsass) und 1436 Präzeptor in Roßdorf bei Hanau. 1441 siedelt er mit seinem Konvent nach Höchst und war bis 1460 Präzeptor in Höchst. In seine Zeit begann der Bau der Justinuskirche. 1460 übergab er, noch vor Fertigstellung des Chores, aus Altersgründen sein Amt an Johannes Gutgelt. Sein Wappen findet sich auch im Gewölbe der Vorhalle, das um 1464 fertiggestellt wurde.

Schlussstein mit dem Wappen des Johannes Gutgelt

Dieser Schlusstein aus dem Hochchor erinnert an Johannes Gutgelt. Joahannes Gutgelt kommt ebenfalls über Isenheim in den Höchster Konvent und wird dort 1460 Präzeptor. Er stirbt 1463 und wird vermutlich im Chor bestattet. Er hinterlässt 3921 Gulden an Schulden, die aus der Vollendung des Chores resultieren. Sein Wappen befindet sich auch am Sakramentshäuschen im Chor.

Schlussstein in der Eingangskapelle am Haupteingang

Schlussstein Haupteingang
Schlussstein Haupteingang

Der farbig gefasste Schlussstein zeigt einen Engel, der das Wappen des Erbauers, des Antoniterpräzeptors Hugo von Belmonte (1436-1454) hält.

Schlussstein in der Taufkapelle

Schlussstein in der heutigen Taufkapelle
Schlussstein in der heutigen Taufkapelle

Der farbig gefasste Schlusstein zeigt eine Mondsichelmadonna (auch apokalyptische Madonna, Madonna im Strahlenkranz) im Stil des 15. Jahrhunderts: Maria im Strahlenkranz mit einer Krone, auf dem Arm das Jesuskind mit Kreuznimbus (Nimbus), in der Hand den Apfel als Zeichen der Überwindung der Sünde. Die Madonna steht auf einer nach oben geöffneten Mondsichel, die ein männliches Gesicht zeigt. Das leitet sich aus der Offenbarung des Johannes her: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt” (Offenbarung 12,1).

Ein fast identischer Schlussstein findet sich als Gewölbeschlussstein im Chor des Karmeliterklosters zu Frankfurt am Main (dort seitenverkehrt und mit Stifterfigur).

Schlussstein in der Mittelkapelle

Dieses farbig gefasste Schlussstein am krabbenbesetzten Netzgewölbe trägt das Stifterwappen des Mainzer Kurfürsten Diether I. Schenk zu Erbach (1434-1459).

Schlussstein in der Antoniuskapelle

Am Kreuzrippengewölbe befindet sich ein farbig gefasstes Stifterwappen, das Rudolf Schäfer für das Greiffenclausches Familienwappen (viergeteiltes Schild, links oben und rechts unten die Greifenclausche Lilienspindel und rechts oben und links unten drei Blumenköpfe hält. Dem widerspricht Dr. Wolfgang Metternich.

Schlussstein mit Blume

Ein kleiner Schlussstein mit Blume, heute im Justinusgarten geschützt aufgehängt und bis 2009 im Besitz des Höchster Geschichtsvereins, stammt vermutlich aus einer heute nicht mehr vorhandenen Gewölbedecke im vorderen nördlichen Seitenschiff der Justinuskirche (entsprechend der Situation im Südseitenschiff, wo ein Schlussstein mit drei Eichhörnchen eingebaut ist). Der Stein markierte einen ehemaligen Altarplatz.

Schlussstein vor dem Maria-Königin-Altar

Schlussstein mit Eichhörnchen
Schlussstein mit Eichhörnchen

Der farbig gefasste Schlussstein trägt ein adeliges Stifterwappen mit drei Eichhörnchen, die Nüsse halten. Er markierte einen Altarplatz, der sich vor der noch heute mit einem Kreuzigungsfresko geschmückten Westwand der Kapelle zum heiligen Kreuz befand. Der Schlussstein zeigt das Wappen des sonst in Höchst nicht auftretenden waldeckchen Herren von Wolmershausen. Angehörige dieses Geschlechtes können über das mainzische Fritzlar nach Höchst gelangt sein. Ein Bernhard von Wolmershausen hatte 1435 die Pfarrstelle im nahen Kriftel. Der Schlussstein wurde Ende 2012 restauriert und dabei die historische Farbigkeit wieder hergestellt.

Schlusssteine in der Sakristei, der früheren Heilig-Kreuz-Kapelle

Schlussstein in der Sakristei mit den Leidenswerkzeugen
Schlussstein in der Sakristei mit den Leidenswerkzeugen

Hier, in der früheren Heilig-Kreuz-Kapelle, die um 1432 erbaut wurde, gibt es zwei farbig gefasste Schlusssteine. Der östliche Schlusstein zeigt in einem Wappenschild die Kreuzigungswerkzeuge (Arma Christi): Rund um das Antoniuskreuz sieht man (von links oben gegen den Uhrzeigersinn) Zange, Jude mit Judenhut, Hammer, dreischwänzige Peitsche, Lanze, Geißelsäule mit Strick, darauf der Hahn, Stab mit dem (Essig-)Schwamm, Antoniuskreuz, Nagel, Leiter, Keule oder Rutenbündel, Krug, Kleiderbündel, Hand Gottes, Dornenkrone, über dem Kreuzbalken zwei Nägel, drei Würfel, Schild (Jesus, König der Juden). Ein weiterer Schlussstein, westlich davon, zeigt in einem Wappenschild das Osterlamm mit Nimbus, Kreuzfahne als Zeichen der Auferstehung und einem Kelch. In der Ecke hinter der Eingangstür gibt es eine Maskenkonsole mit Schweinerüssel und einer bis zur Nase hochgezogenen Zunge aus Sandstein. Das Gewölbe mit den Schlusssteinen, Krabben und dem Maskenkonsolenstein wurde 2010 durch die Restauratoren Martin Stein und Elvine Rothfuß-Stein, Karlstein am Main, restauriert.

Messgewänder

Die in der Justinuskirche aufbewahrten historischen Paramente entstammen im wesentlichen dem 18. und 19. Jahrhundert. Zusammen mit dem noch vorhandenen liturgischen Gerät bilden sie den Kirchenschatz der ehemaligen katholischen Pfarrkirche von Höchst, die von 1441 bis zur Säkularisation auch Klosterkirche der Antoniter war. Bis 1802 unterstanden Stadt und Amt Höchst Erzbistum Mainz und wurden von kurmainzischen Amtleuten verwaltet. Deshalb gehen die ältesten und wertvollsten Paramente in der Justinuskirche auf die Höchster Amtleute und deren Nachkommen zurück. Soweit die Paramente des 18. Jahrhunderts mit Wappen versehen sind, lassen sie sich als Stiftungen der in kurmainzischen Diensten stehenden Grafen von Stadion und der seit dem 17. Jahrhundert in Höchst ansässigen Freiherren von Dalberg identifizieren.

Dalberg-Ornat

Hervorzuheben ist vor allem der vollständig erhaltene Dalberg-Ornat, der urkundlich in die Amtszeit von Präzeptor Phillip Daniel Cramer (1730-1743) als Stiftung der Baronin Dalberg überliefert ist. Die Wappen weisen auf Franz Eckbrecht von Dalberg (1674-1741), Geheimkämmerer des Kurfürsten von Trier, des Fürstbischofs von Würzburg und so weiter und auf dessen zweite Gemahlin Anna Louisa, geb. von Dalberg (1685-1760). Franz Eckbrecht war ein Sohn des letzten Höchster Amtmannes aus dieser Familie und auch der letzte Dalberg, der mit seiner Familie seinen festen Wohnsitz in Höchst hatte.

Grüne Paramente

Während im 17. Jahrhundert die Dalberg über mehrere Generationen Amtleute in Höchst waren, stammten die Amtleute im 18. Jahrhhundert 54 Jahre lang aus dem berühmten Geschlecht der Grafen von Stadion, die damals zu den einfkussreichsten Familie in Kurmainz gehörten. Falst alle Angehörigen der weit verzeweigten Familie hatten hohe geistliche und weltliche Ämter. Die in der Justinuskirche aufbewahrten grünen Paramente aus kostbarem chinesischen Seidenbrokat tragen das Ehewappen des kurmainzischen Haushofmeisters und Staatsministers Johann Philipp Graf von Stadion (1652-1742) und seiner zweiten Gemahlin Maria Wambolt von Umstadt.

Weißer Ornat

An deren jüngsten Sohn Hugo Johann Philipp von Stadion (1720-1785), kurmainzischer Geheimer Rat und Oberamtmann in Höchst, und dessen Gemahlin Maria Anna Schenk zu Stauffenberg (1729-1799) erinnert der weiße Ornat. Die älteren Brüder von Hugo Johann Philipp von Stadion waren entweder auch in kurmainzischen Diensten oder Domherren in Würzburg, Bamberg und Mainz, sein Bruder Conrad wurde 1753 Fürstbischof von Bamberg. Vor diesem Hintergrund sind die kostbaren Paramentenstiftungen an die Justinuskirche zu sehen. Von dem Höchster Amtmann Johann Nepomuk von Stadion (1777-1783) ist eine Stiftung an die Justinuskirche nicht bekannt.

Rote und violette Kaseln

Außer den mit Wappen versehenen Paramenten besitzt die Justinuskirche noch zwei einzelne Kaseln aus dem 18. Jahrhundert, deren Herkunft urkundlich nicht überliefert ist, die aber auch aus hochstehenden Kreisen gestiftet sein dürften. Die rote Kasel zeigt besonders qualitätvolle Stickerei, die violette besteht aus einem Seidenstoff, der vermutlich vorher einem Hofkleid diente. Das Muster des violetten Seidenstoffs zeigt in die 20er bis 30er Jahre des 18. Jahrhunderts. Vielleicht ist diese Kasel im Zusammenhang mit einer der in diesen Jahren in der Justinuskirche vollzogenen Hochzeiten von Angehörigen der in Höchst ansässisgen adeligen Famlien zu sehen. Nicht selten wurden aus einem solchen Anlass Meßgewänder gestiftet oder Hochzeitkleider später in die Kirche zur liturgischen Weiterverwendung geschenkt.

In der Höchster Kirchenchronik des 18. Jahrhunderts wird nur ein einziges Mal eine Paramentenstiftung von einem Angehörigen des Antoniterklosters erwähnt. Es handelt sich um eine Kasel (pulchram casulam), die N. Aul aus Mainz 1739 der Kirche schenkte. Auch fällt auf, dass die Kirchenchronik des 18. Jahrhunderts Neuanschaffungen von Paramenten oder liturgischem Gerät nur während der Amtszeit von Präzeptor Philipp Daniel Cramer (1730-1743) notiert. (wird fortgesetzt!)

Altargerät und andere Kunstgegenstände

Kreuzreliquiar von 1753
Kreuzreliquiar von 1753

Die Justinuskirche in Höchst besitzt einen bemerkenswert großen, alten Bestand an liturgischen Geräten. Die meisten Geräte aus Edelmetall stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Ein Kelch (Inv.Nr. 4) ist älter und reicht noch in mittelalterliche Zeit zurück, eine Besonderheit, da sich in Frankfurt kaum Goldschmiedearbeiten aus vorreformatorischer Zeit in kirchlichem Besitz erhalten. Er gehört vermutlich zu den Geräten, die der Antoniterpräzeptor Goswin von Orsoy (1488-1509) aus dem von seinem Vorgänger der Kirche hinterlassenen profanen Silbergeschirr anfertigen ließ.

Die Altargeräte des 18. Jahrhunderts - eine Strahlenmonstranz, ein dreiteiliges Meßgeschirr, acht Altarleuchter und ein Altarkreuz sind Augsburger Arbeiten. Anhand der Meistermarken können sie bestimmten Augsburger Werkstätten zugeordnet werden, aus Inschriften kennt man die Stifter.

Ein Kreuzreliquiar ist eine Stiftung des Hugo Johann Philipp Graf von Stadion, von 1743 bis 1777 Oberamtmann in Höchst. Von ihm und seiner Gemahlin MariaAnna Theresia Schenk zu Stauffenberg stammt auch ein kostbarer Meßornat. Die Reliquie des Wahren Kreuzes von 1753 mit Echtheitszertifikar, die sich in dem Kreuzreliquiar befindet, wurde von dem 1752 verstorbenen Zollschreiber Jakob Kisselstein, von dem die Justinuskirche auch einen vergoldeten Kelch erhielt, gestiftet. Das Kreuzreliquiar wurde 2009 von Markus Engert, Würzburg, restauriert.

Die Kirchenchronik informiert über einen Kirchenraub 1826, bei dem eine silberne Monstranz, ein silbernes Ziborium und silberne Ölgefäße aus dem Tabernakel gestohlen wurden. 1834 wurden acht messingversilberte Leuchter angeschafft, heute - wie andere Altargeräte - nicht mehr vorhanden.

Das wertvollste aus dem 19. Jahrhundert noch vorhandene Gerät ist die silberne Ewig-Licht-Ampel aus der bekannten Frankfurter Silberwarenfabrik von Johann Martin Schott. Sie wurde 2010 von Markus Engert, Würzburg,restauriert.

Auch im 20. Jahrhundert schaffte man neue liturgische Geräte an, zunächst das silbervergoldete Ziborium von Wilhelm Rauscher, Hof- und Domgoldschmied in Fulda. Die Neuanschaffungen der 30er Jahre stehen im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Justinuskirche 1930/32 in romansichem Stil. Hier ist vor allem das große Altarkreuz mit passenenden Leuchtern des Frankfurter Goldschmiedes Walter Gießübel zu nennen. Der Entwurf stammt von Werner Dobisch, der als Bauleiter für die Restaurierung der Kirche 1930/32 verantwortlich war. Er entwarf auch den neuen Tabernakel mit Aufsatz aus der gleichen Zeit, der seit 2010 wieder komplett und restauriert gezeigt werden kann.

Der Primizkelch des letzten amtierenden Rektors der Justinuskirche Hans Höckel und sein Vermächtnis (gestorben 1992) ist eine qualitätvolle Arbeit aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts von einem Goldschmied aus Münster.

2010 erhielt die Stiftergemeinschaft Justinuskirche zur dauerhaften Ausstellung in der Justinuskirche Höchst ein ottonisches Bronzekreuz, ein einzigartiges Stück, das 1967 auf dem Friedhof der Antoniter in Roßdorf - seit 1441 in Höchst - gefunden worden war. Zuletzt befand sich der über 1000 Jahre alte Korpus im Besitz von Gisela Spruck, die es schon vor einigen Jahren für die Justinuskirche stiftete. Da es älter ist als der Antoniterorden selbst könnten diese es um 1200 aus ihrem Ursprungsland in Südostfrankreich nach Rossdorf mitgebracht oder es in der Kapelle der Hirzbacher Höfe nahe Rossdorf, die den Antonitern geschenkt worden war, vorgefunden haben. Das hohe Alter ist durch 2010 veranlasste wissenschaftliche Untersuchungen von Professor Dr. Ernst-Ludwig Richter, Freudenthal, zweifelsfrei nachgewiesen.

Bestattungen und Grabdenkmäler in der Justinuskirche

In allen Zeiten wurden in und bei der Kirche auf dem dazugehörigen Friedhof auch Bestattungen vorgenommen. In der Justinuskirche wurden insbesondere Generalpräzeptoren und Chorherren des Antoniter-Ordens beigesetzt. Aber auch die Familien von Dalberg und von Kapp hatten Familiengrüfte in der Justinuskirche.

Anlässlich der umfangreichen Restaurierungsarbeiten zwischen 1926 und 1930 wurde auch die Gruft im Chorbereich geöffnet, vorhandene Leichenreste wurden herausgenommen und auf dem Friedhof beerdigt. Bei dieser Gelegenheit wurden auch eine Reihe damals noch vorhandener Grabdenkmäler aus der Kirche entfernt, ein Epitaph mit, wie man lange glaubte, zwei Antonitern (heute weiß man, dass es zwei Höchster Pfarrer waren) kam 1932 in den Besitz des Höchster Geschichtsvereins und wurde im Garten des Zollturms aufgestellt, einige weitere − zum Beispiel das eines Antoniterpräzeptors, das 1930 vor dem Hochaltar ausgegraben worden war, wurden im Garten hinter der Justinuskirche aufgestellt.

Diese Grabmale sind seit dem Dezember 2009 zusammen mit den beiden Schlusssteinen aus dem Hochchor im Eingangsbereich des Justinusgartens geschützt aufgestellt.

In der Justinuskirche haben sich Epitaphien vom 15. bis zum 17. Jahrhundert erhalten. Andere sind durch zeitgenössische Quellen nachgewiesen.

Epitaph des Heinrich Meyersbach, 1520 (Nordseite, Taufkapelle)

Heinrich Meyersbach war 1502 bei den Antonitern in Höchst eingetreten, starb am 10. März 1520 und wurde in der Präzeptorengruft beigesetzt.

Das von Helwig erwähnte Epitaph, 1932 hinter dem Hochaltar, steht heute gut erhalten in der Taufkapelle der Justinuskirche. In Farben angelegt zeigt es eine stattliche Person im Gewand der Antoniter, einen Kelch haltend. Über dem Kelch sieht man, kaum wahrnehmbar, die Buchstaben PS für Peter Schro. Das Epitaph wird der berühmten Mainzer Werkstatt von Hans Backoffen zugeschrieben. Im Diarium der Antoniter ist zu lesen: „1518 Henr. Meyersbach bauet das Hospital“.

Lt. Helwig stand das Epitaph ursprünglich „retro altare maius a sinistris“.

Epitaph der Gisela von Diepholt, 1572 (Nordseite, Taufkapelle)

Gisela von Diepholt war die Schwester des Antoniterpräzeptors Hermann Allerding (Diepolt), der 1557 in Höchst eingetreten und von 1564 bis 1575 Generalpräzeptor war. Er verließ 1579 das Kloster als „Apostata“, das heißt, er trat zum Luthertum über.

Seine Schwester wurde 1572 in der Justinuskirche bestattet. Das Epitaph befindet sich in der Taufkapelle gegenüber dem Epitaph des Präzeptors Meyersbach. Die Inschrift lautet:

Anno domini 1572 den …
tag Septembris ist in Gott ver
schieden die tugendsam Jungfrau
Gisela von Diepholt, des Ehr
würdigen Hermann Allerding
preceptoris zu Rostorff und
hoest Eheliche Schwester,
deren sele Gott gnedig sei amen.

Epitaph des Philipp von Reiffenberg, 1584 (Nordseite, zwischen Taufkapelle und Mittelkapelle)

Das Epitaph des Philipp von Reiffenberg, und seiner Frau Margarete, eine geborene von Hutten, ist das prächtigste der noch in der Kirche erhaltenen Epitaphien. Es zeigt das Ehepaar in ganzer Figur. Es trägt die Inschrift:

Anno Domini 1548 den 12. Decembirs ist in gott verschieden
der Edel und Ehrenvest Philipp von Reiffenberg,
Amptmann von Steinum am Main. D. g. g.
Anno Domini 15.. den .. ist in Got verschieden ...

Die Inschrift für seine Ehefrau ist nicht vollständig ausgeführt, so dass anzunehmen ist, dass sie nicht an der Seite ihres Mannes bestattet wurde. Rings um das Epitaph sind die Wappen der Geschlechter von Reiffenberg, Echter, Tüngen, Hutten, Hattstein, Forstmeister, Weis von Feuerbach angebracht; das Bellersheimische Wappen, bei Helwig erwähnt, fehlt. Dieses Epitaph ist das Einzige, das an seinem ursprünglichen Platz „a sinistris templi“ hängt.

Epitaph des Konrad Hofmann, 1527 (Nordseite, zwischen Mittelkapelle und Antoniuskapelle)

An der Nordwand zwischen der Mittelkapelle und der Antoniuskapelle hängt seit 1932 das Epitaph des Mainzer Domherrn und Geistlichen Rats Konrad Hofmann von 1572 aus Sandstein. Er starb im Alter von 51 Jahren.

Es ist das erste Epitaph mit Renaissancedekor und von hoher Qualität. Dehio/Gall schreibt über das Epitaph: „Schule Hans Backoffens, die Gestalt des Priesters unter der Mitte von einer Inschrift überdeckt, die zwei Putten tragen, schlanke Ecksäulen, die Fläche durch 4 Blattkränze mit Evangeliensymbolen gefüllt.“ Die Inschrift bezeichnet ihn als fleißig und klug, als Lizentiaten der Rechte und Kanoniker von Halberstatt und Neuburg sowie als Rat des Mainzer Erzbischofs und Kardinals Albrecht (von Brandenburg).

Helwig erwähnt dieses Epitaph „in sacello N.N. ibidem“, also in einer der Kapellen.

Epitaph des Heinrich Fetting, 1457 (Nordseite, neben dem kleinen Eingang)

An der Nordwand, südlich des kleinen Eingangs, gibt es ein Epitaph des Pfarrers von Schwanheim, Heinrich Fetting von Miltenberg, von 1457. Die Figur des Pfarrers mit einem Kelch in der Hand ist in Stein geritzt.

Die Jahreszahl und die Hälfte der Inschrift sind zerstört. Rudolf Schäfer, der den Stein der Mitte der des 15. Jahrhunderts zuweist, gibt unter Vorbehalt als Inschrift wieder:

… HONORABILIS DOMINUS
HENRICUS FETTING DE MILDENBERG
PLEBANUS DE …

Es könnte sich danach, so Rudolf Schäfer, um das Epitaph des Pfarrers Heinrich von Schwanheim (1429 – 1457) handeln.

Epitaph des Ritters Emmerich von Reifenberg, 1488 (Chor, Nordseite)

Das gut erhaltene Epitaph des Emmerich von Reiffenberg ist in die Mauer des Chores auf der Evangelienseite neben dem Sakramentshäuschen eingelassen. Es zeigt die erhabene ganze Figur eines geharnischten Ritters. Er war Amtmann von Höchst.

Der Stein ist mit vier Ahnenwappen versehen:
von Reiffenberg (links oben),
von Bellersheim (rechts oben),
von Carben (links unten) und
von Münster (rechts unten).

Emmerich von Reiffenberg war mit einer von Bellersheim vermählt, war um 1440 kaiserlicher Kriegsrat und Generalfeldmarschall sowie kurmainzischer Rat.

Helwig erwähnt den Stein als „a dextris exeundo chorum in muro“, also außerhalb des Chores, und zwar an dessen Ausgang auf der rechten Seite in der Mauer. Die Inschrift lautet:

Anno domini MCCCCLXXXVIII
uff mittwochen nach sant lucien tag
starp der strenge
Her Emerich von ryffenburg Ritter
dem gott gnedig sy amen.

Epitaph der Reichsgräfin Maria Catharina Anna von Truchsess, Trauchburg und Friedberg, 1699 (Chor, Südseite)

Die geborene Fürstin von Hohenembs starb am Pfingstmontag an einem bösartigen Fieber. Auch im Höchster Kirchenbuch wird, wie in der barocken Grabinschrift, hervorgehoben, dass sie gegen Kranke und Arme überaus wohltätig war und eine Leuchte für die ganze Stadt durch ihre Tugenden und ihr gutes Beispiel.

Ihr aufwendig gestaltetes Epitaph aus schwarzem, weiß geäderten Marmor ist seit 1932 in die Südmauer des Chores eingelassen. Es trägt die Wappen von G. v. Hohenembs, F. v. Hohenzollern, F. v. Welsberg, Rheingräfin, G. Borromaea, G. v. Zimmern, F. v. Firmion, G. v. Salm, H. v. Altembs, de Medices, H. de Aquaviva, F. v. Caietana, F. de Ursina, Mg. de Malespina, F. de Ursina, Caroli Pisanerin. Die vier Wappen der mütterlichen Seite sind nicht ausgeführt.

Siering übertrug die lateinische Inschrift wie folgt:

Merk auf o Wanderer!
Entrissen wurde die hochadelige Heldin,
Gräfin von Truchseß, Friedberg,
Trauchburg, Waldburg und Scheer
Maria Katharina Anna
aus den kaiserlichen Grafen von Hohenembs, Gallara und Vaduts
väterlicher Seite entsprossen;
als Mutter hatte sie die erlauchte Herzogin von Altems
und durch sie
die so herrliche Verwandschaft
der Fürsten und Herzöge aus der Familie
des hl. Karolus Borromäus,
als Urenkelin seiner Schwester Hortensia.
Diesem an Edelsinn nicht unähnlich
ward sie, die hilfsbereite Wohltäterin der Armen,
die entschiedene Feindin der Sünde,
der Rose gleich an Lieblichkeit erblühend,
von des Himmels gewaltiger Hand
fast wie aus Scheelsucht und Gier
nach der unvergleichlichen Heldi
unter dem Gejammer der Armen,
dem Seufzen der Erben,
dem Schluchsen der Freunde
dahingeraubt im Jahre des Heiles 1699,
den 8. Juni, im 49. Jahr ihres Lebens.

Epitaph des F. Jakobus Becker, 1665 (Westseite, hinter der Orgeltreppe)

Jakob Becker stammt aus Höchst. 1621 trat er bei den Antonitern als Laienbruder ein. Er starb am 12.12.1665, nachdem er, wie es im Kirchenbuch heißt, „Kellerei und Küche wohl versehen„ hatte. Der Grabstein befindet sich unter dem Orgelaufgang an der Westseite.

Die umlaufende Inschrift lautet:

ANNO DOMINI 1665 DIE 12. DECEMB.
OBIIT F. JACOBUS BECKER HOEGST.
ORD. S ANTONY IBIDEM LAIC. PROF.
CUJUS ANIMA R.I.P.

und in der Mitte

GEDENKE
WIE DU BIST,
WAR ICH AUF ERDEN
UND WIE ICH BIN MUß
DU AUCH WER
DEN
TU VADE LECTOR
ET ME SEQUERE

Die Glocken

Auf dem westlichen Dach der karolingischen Justinuskirche erhebt sich ein Dachreiter mit dem Glockenstuhl. Er enthält die Bronzeglocken der Justinuskirche: In der unteren Reihe hängen drei Glocken, die Marienglocke, die Margarethaglocke und die Antoniusglocke. Über der Marienglocke hängt die Rex-Gloriae-Glocke. Das Leutewerk wird elektrisch angetrieben. Wegen der gekröpften Aufhängung der Glocken ist die Klangentfaltung beeinträchtigt.

Der Glockenstuhl enthielt seit 1642 zwei, seit 1811 drei Glocken. (Pfarrer Siering schreibt 1890 in der Festschrift zum 1100jährigen Bestehen der Justinuskirche, Seite 27, von drei kleineren Glocken; eine von Neidhart in Frankfurt gegossen 1642, eine aus 1631 und eine von 1812. In der Kirchenchronik (Seite 46) lesen wir: „1811 kamen 2 Glocken aus Marienhausen auf den Thurm.“ Demnach müsste die Justinuskirche damals über vier Glocken verfügt haben. Das korrigiert Wilhelm Frischholz 1926 in Alt-Höchst, Seite 85: „ Als sie abgeholt werden sollten und der Ratsmann Blum durch den Schultheisen von Rüdesheim in die Kirche des Klosters eingewiesen wurde, fanden sich zwei Glocken vor, die er auch abnehmen und nach Höchst bringen ließ. Die eine dieser Glocken war jedoch von der Regierung dem katholischen Stadtpfarrer zu Wiesbaden zugesagt worden; er beschwerte sich nun bei dem Ministerium in Wiesbaden und forderte den Pfarrer Kerz auf, „unverweilt die größere Glocke an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand abzugeben.“ Dieser Verfügung musste stattgegeben werden.)

Die dritte, neuere Glocke wurde im ersten Weltkrieg beschlagnahmt, wie Rektor Ludwig Hensler 1932 in seinem Buch St.Justinuskirche Höchst, Seite 44, erwähnt. Sie war auch bis 1948 nicht mehr zurückgekehrt.

1931, bei der großen Dachsanierung, in der auch der Glockenturm gerichtet wurde, wurde ein neuer eiserner Glockenstuhl für drei Glocken in Reihe eingebaut.

„Am 1.1.1942 wurden zwei Glocken von St.Justinus eingeschmolzen.“, so berichtet das Pfarrarchiv St. Josef. Dieser Vermerk betrifft offenbar die beiden, noch verbliebenen alten Glocken von 1631 und 1642, die wohl zum Einschmelzen abtransportiert worden waren, den Krieg dann aber doch heil überstanden und − siehe oben − 1948 zurückkamen. Somit gab es 1948 noch/wieder zwei Glocken.

Glockengeläut der Justinuskirche

Marienglocke (1631)/ Läutewerk III

Die Marienglocke wurde 1631 von J. Neithardt gegossen. Sie trägt in zwei umlaufenden Zeilen übereinander die Aufschrift:

NEC.NON.SVB.PRAEFECTVRA.PRAENOBILIS.ET.STRENVI.DNI.JOH.A.FRANCKENSTEIN.IHS.
EIVSDEM.MOGVN.PRINC.CONSTILIA.ET.PRAEFECTI.IN.HOECHST.ET.HOFHEIM.1631

Auf einer Seite zeigt sie die Gottesmutter mit Krone. Sie hält das Jesuskind auf dem Arm und in der Hand ein Zepter in Form einer Lilie. Auf der anderen Seite ist Jesus am Kreuz dargestellt. Vier Engel fangen in Kelchen das Blut der Handwunden, der Wunde in der Brust und der am Fuß auf. Unter den Füßen des Gekreuzigten ist ein Totenkopf. Ebenso gibt es eine Abbildung des Apostels Paulus mit Schwert und Buch. Über der Schrift und auch darunter gibt es ein umlaufendes, reiches florales Muster, ergänzt durch Engelsköpfe.

Daten der Glocke: Schlagton c’’+ 8, Durchmesser 74 cm, Gewicht 260 kg, keine Gießerinschrift.

Antoniusglocke (1642) / Läutewerk II

Die Antoniusglocke wurde 1642 von Wolfgang Neidhardt gegossen, wie die Inschrift am oberen Rand mitteilt:

DVRCHS.FEVER.FLOS.ICH
IN.FRANKFVRT.GOS.MICH
WOLFGANG.NEIDHART.1642

Auf einer Seite ist der hl. Antonius mit langem Mantel, Abtsstab und Regelbuch abgebildet. Rechts hinter seinem Mantel schaut der Kopf eines Schweines hervor. Auf der gegenüberliegenden Seite der Glocke ist Jesus am Kreuz abgebildet (das Unterteil ab dem Brustkorb fehlt), darunter ein Engelskopf mit Flügeln. Die Glockenkrone ("Glockenhenkel") besteht aus fünf grimmig blickenden (gleichen) Männerköpfen. Die Antoniusglocke war im 2. Weltkrieg beschlagnahmt. Nach einem Schreiben von Rektor Zaucker vom 5.03.1948, Justinuskirche, war sie kurz vor diesem Datum wieder in die Kirche zurückgekehrt.

Daten der Glocke: Schlagton h’+3, Durchmesser 80 cm, Gewicht 310 kg.

Margarethaglocke (1949) / Läutewerk I

Margaretenglocke mit Aufhängung
Margaretenglocke mit Aufhängung

Als Ersatz für die im ersten Weltkrieg beschlagnahmte und wohl eingeschmolzene Glocke aus Mariähausen wurde 1948 bei der Firma Rinker in Sinn/Dillkreis eine weitere Glocke bestellt, eine Margaretaglocke. Sie ist die größte Glocke und hängt im Glockenstuhl in der Mitte zwischen den beiden alten Glocken. Am oberen Rand der Glocke hat sie zwischen zwei umlaufenden Wülsten die Inschrift:

ST. MARGARETHA VIRGO MARTYR PATRONA SALVA NOS 1949 +

Am Glockenkörper − unterhalb des Kreuzzeichens in der Schriftzeile − trägt sie das Gießerzeichen der Firma Rinker: In einem senkrecht geteilten Wappen oben 1550-1949 und darunter GEBR RINCKER SINN und außerhalb des Wappens links 65 und rechts 12, vermutlich die Glockennummer.

Daten der Glocke: Schlagton a` +9, Durchmesser 86 cm, Gewicht 384 kg.

REX-GLORIAE-Glocke (1949) / Läutewerk IV

Ganz oben im Glockenturm hängt die vierte, die kleinste Glocke, ebenfalls 1949 bei der Firma Rincker gegossen. Sie trägt die Inschrift:

REX GLORIAE VENI CUM PACE (?1949) +
das heißt „König der Herrlichkeit, komme in Frieden”

Am Glockenkörper − unterhalb des Kreuzzeichens in der Schriftzeile - trägt sie das Gießerzeichen der Firma Rincker: In einem senkrecht geteilten Wappen oben 1550-1949 und darunter GEBR RINCKER SINN und außerhalb des Wappens links 65 und rechts 11, vermutlich die Glockennummer. Bei der Firma Rinker existieren laut Anfrage keine Fotos der Glocke mehr.

Daten der Glocke: Klangton d+9, Durchmesser 65 cm, Gewicht 161 kg.

Antoniterglöckchen am Turmkreuz

Antoniterkreuz mit Glöckchen auf Kirchturm
Antoniterkreuz mit Glöckchen auf Kirchturm

An den Enden des Querstabes des Antoniterkreuzes (T) auf dem Glockenturm hängen seit Menschengedenken zwei vergoldete Glöckchen. Der hl. Antonius wird − zum Beispiel auf der Antoniusglocke im Glockenturm und bei vielen Künstlern − meist mit einem Glöckchen an seinem Abtsstab abgebildet. Daher kommt der Brauch, an den Kreuzen auf Antoniterkirchen ebenfalls Glöckchen anzubringen.