„Schweinepriester“ hat heute einen ziemlich negativen Klang. Zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert jedoch wußte jede Höchsterin, jeder Höchster, daß sich dahinter ein Geistlicher des Antoniterordens verbarg. Sie durften nämlich die grunzenden rosa Paarhufer mit dem Ringelschwänzchen halten. Als Erkennungszeichen trugen die Tiere ein Glöckchen hinter Kopf und Ohren. Schnell bürgerte sich der heute wenig schmeichelhafte klingende Name ein für die Geistlichen, wenn sie ihre Vierbeiner durch die Höchster Gassen führten. Diese Geschichte tauchte mehrfach auf in den Vorträgen am Tag des offenen Denkmals am vergangenen Wochenende. Karin Hammer und Birgit Menzel, beide Kirchenführerinnen in der Justinuskirche, gaben in jeweils einem halbstündigen Vortrag profunde Informationen über den Krankenpflegeorden, dessen Mönche seit 1441 in Höchst ihren Hauptsitz hatten. Diese Vorträge und die Führungen des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde durch das ehemalige Antoniterkloster quasi um die Ecke ergänzten einander vorzüglich.
Zahlreiche Interessierte folgten ihren Ausführungen, stellten Fragen, steuerten eigenes Wissen bei. Ähnlich bei den informationsreichen Vorträgen von Heinrich Arndt über die Wechselbeziehung von Religion und Architektur und Ulrich Boller über die Justinuskirche an der Schwelle zur Neuzeit. Bei wechselhaftem Wetter besuchten zahlreiche Interessierte das Gotteshaus, das seit seiner Grundsteinlegung in den 830er Jahren ununterbrochen als solches genutzt wird. Etwa ein Jahrzehnt liegen noch zum 1200 Jubiläum des Baubeginns.
Ein gehaltvolles Programm bot das abschließende Konzert auf der Kuhn-Orgel. Lars-Simon Sokola, ein „Gewächs“ der Region und seit einiger Zeit Dozent für Orgel am Hoch`schen Konservatorium Frankfurt, spielte unter anderem Werke von Thierry Escaiche und den 94. Psalm von Julius Reubke.
Mit dem Tag des offenen Denkmals gehen die Aktivitäten der Stiftergemeinschaft in die Schlußphase. Noch dreimal besteht die Möglichkeit, an den öffentlichen Führungen teilzunehmen, und zwar am 19. September sowie am 3. und 17. Oktober, jeweils um 11 Uhr. Anmeldungen sind nicht erforderlich.
Die Konzerte in der Justinuskirche schließen am 20. September um 18 Uhr mit einem Duoabend des Cellisten Egon Buchner und des Organisten Manuel Bleuel, künstlerischer Leiter der Konzertreihe.