Bericht des Vorstands über 2018

Die Justinuskirche wurde im Januar zur Pfarrkirche der neugegründeten Pfarrgemeinde Sankt Margareta (bestehend aus den Ortsgemeinden Höchst, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim) erhoben. Sie nimmt damit eine besondere Stellung innerhalb der fünf Ortsgemeinden ein, da nun vermehrt Gottesdienste und weitere Veranstaltungen der Pfarrgemeinde in der Justinuskirche stattfinden werden. Die Erhebung zur Pfarrkirche wurde

Ende Januar mit einem feierlichen Segnungsgottesdienst mit Bischof Dr. Georg Bätzing in der Kirche und mit einer Prozession zu St. Josef begangen.
Im Zusammenhang mit der Neugründung der Pfarrei wurde von Pfarrer Martin Sauer ein Sachausschuss „Justinuskirche“ gebildet. Zu dessen Aufgaben gehört, das kulturelle und spirituelle Angebot in der Kirche zu erweitern und auch Maßnahmen zur Restaurierung von Kunstobjekten und Behebung von Gebäudeschäden vorzubereiten und umzusetzen. Der Sachausschuss ist besetzt mit Mitgliedern der Pfarrei und des Pfarrgemeinderats sowie vier Vorstandsmitgliedern der Stiftergemeinschaft.

Vereinsangelegenheiten

Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich im abgelaufenen Jahr um 10 Mitglieder verringert - 17 Austritten oder Todesfällen stehen 7 Neueintritte gegenüber. Die Adressenliste weist damit 253 Mitglieder und Spender aus.

Obwohl in diesem Jahr turnusgemäß keine Neuwahlen anstanden, gab es doch einige Veränderungen in den Gremien des Vereins: bei der gemeinsamen Sitzung von Kuratorium, Vorstand und Beirat am 22. März wurden Marcus Schröder als Vertreter der Pfarrgemeinde St. Margareta in Nachfolge von Aloys Hingott in das Kuratorium berufen.

Zugewählt wurden auf Antrag des Vorstandes und der Mitgliederversammlung Dr. Matthias Gutweiler, Geschäftsführer und Europapräsident der Kuraray GmbH, und Dr. Rudolf Röper, Standortleiter der Clariant (Deutschland GmbH) aus dem Industriepark Höchst. Ziel ist es, das Interesse von Führungskräften und Mitarbeitern im Industriepark für die Stiftergemeinschaft zu wecken und so neue Mitglieder und Spender zu gewinnen.

Von der Bürgervereinigung Höchster Altstadt wurde deren neuer Vorsitzender, Marco Popp, in das Kuratorium berufen.

Im November gab der Ehrenvorsitzende des Vereins, Ernst-Josef Robiné, seinen Rücktritt aus dem Vorstand bekannt. Robiné gehört der Stiftergemeinschaft seit deren Gründung 1983 an und hatte mehr als 10 Jahre den Vorsitz im Vorstand inne. Dank und Wertschätzung für seine langjährige, erfolgreiche Tätigkeit im Vorstand der Stiftergemeinschaft sei an dieser Stelle unterstrichen. Die in diesen Jahren erzielten Ergebnisse zum Wohle der Justinuskirche können nicht hoch genug gewürdigt werden. Ernst-Josef Robiné hat den Verein in einzigartiger Weise geführt und geprägt.

Kirchenaufsichtführende und Kirchenführende

Glücklicherweise konnten wir in diesem Jahr gleich 3 neue Aufsichtführende für die Arbeit bei der Stiftergemeinschaft gewinnen! Nachdem im November leider eine unserer langjährigen Aufsichtsdamen nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb, sind es jetzt 16 Personen, die es mit ihrem unermüdlichen selbstlosen Einsatz ermöglichen, dass die Justinuskirche von April bis Oktober an 6 Tagen in der Woche und in der Winterzeit an den Wochenenden für Besucher geöffnet werden kann. Die Zahl der Öffnungstage im Gesamtjahr betrug immerhin 255!

Eine breite Öffentlichkeitswirkung erzielen wir insbesondere mit den Führungen unserer 8 ausgebildeten Kirchenführer, die in der Sommerperiode an jedem 1. Samstag im Monat sowie „auf Bestellung“ (unter der Internetadresse www.justinuskirche.de gebucht werden können.

Auch in diesem Jahr trafen sich die Ehrenamtlichen Anfang August auf Einladung des Vorsitzenden Werner Brodt zu einem Erfahrungsaustausch im Garten des Pfarrhauses, um die verschiedensten Erlebnisse und Erfahrungen mit Besuchern und die dabei bewährten Kommunikationselemente auszutauschen. Brodt bedankte sich sehr herzlich bei allen Ehrenamtlichen für ihr Engagement und ihren Zeiteinsatz.

Erfreulicherweise war die Zahl der Kirchenführungen in diesem Jahr wieder höher als im Vorjahr: insgesamt waren 44 Führungen mit 820 Teilnehmern (2017: 35, ca. 675 Besucher) zu verzeichnen. Die Gesamtbesucherzahl in der Kirche lag 2018 bei über 16 200 Personen (Öffnungstage, Führungen, Konzerte und Ausstellungen) und übertraf damit die Besucherzahl des Vorjahres um über 12 %.

Spenden und finanzielle Situation

Auf der Jahressitzung des Kuratoriums im März wurden alle vom Vorstand für 2018 vorgeschlagenen Restaurierungsarbeiten und Projekte befürwortet und für deren Finanzierung ein Budget freigegeben.

Im Rahmen der auf jeweils drei Jahre angelegten Spende der Infraserv Höchst gingen auch in diesem Jahr wieder 5.000 € zur Sicherung der Justinuskirche gegen Brand und Einbruch ein. Zudem wurde das Paramenten-Projekt über das Spendenkonzept der Infraserv mit 1.000 € unterstützt.
Vom Kulturamt der Stadt Frankfurt erhielten wir 1.800 € zur Förderung des 24. Höchster Orgelsommers.

Die Fischer-Zunft Höchst hat für die bereits 2017 durchgeführte Restaurierung des barocken Chorkreuzes an der Südwand die Restaurierungskosten von 3.314 € übernommen.

Aus der Erbschaft Pfarrer Wiedenbauer ging im Sommer eine erste Zahlung von 55.000 € ein, die aus dem Verkauf einer von der Bank gekündigten Wertpapieranlage herrührt.

Insgesamt steht der Verein finanziell auf sehr solidem Grund. Nach wie vor stellen die Mitgliedsbeiträge und Spenden von Privatpersonen den größten Beitrag der Vereinseinnahmen dar, gefolgt von den Einnahmen aus den Veranstaltungen zur satzungsgemäßen Unterstützung der Vereinstätigkeit (Altstadtfest, Weihnachtsmarkt und Orgelsommer).

Wir bedanken uns an dieser Stelle sehr herzlich bei allen Mitgliedern, Spendern und Freunden der Stiftergemeinschaft Justinuskirche für die fortgesetzten Beiträge zur Arbeit des Vereins in Form von Spenden und Zuweisungen und auch für die ideelle Unterstützung, die insbesondere die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei ihren verschiedenen Tätigkeiten immer wieder erfahren.

Arbeiten und Projekte

Das Projekt mit der größten Öffentlichkeitswirkung in diesem Jahr war die Ausstellung der Paramente der Justinuskirche, die im Oktober über zwei Wochen zu sehen waren: über 50 Gewänder, Stolen, Manipel und Altarbehänge wurden von Ernst-Josef Robiné und seinem Team präsentiert. Mehr als 1.200 Besucher zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt und Eleganz der Gewänder, die zum Teil noch aus dem 18. Und 19. Jahrhundert stammen.
Damit diese Vielfalt der Priestergewänder und Altarbehänge dokumentiert und der Nachwelt erhalten bleiben, hat Ernst-Josef Robiné einen Katalog über die Paramente der Justinuskirche mit Farbaufnahmen aller Einzelstücke veröffentlicht. Die Kosten für die Ausstellung und den Druck des Kataloges betrugen 3.318 € (Stifter 100 %).

Das Augsburger Silber, ein sehr schönes Ensemble von 6 kleinen und 2 großen Leuchtern sowie einem fein gearbeiteten Altarkreuz, wurde gereinigt und mit einem Speziallack gegen neuerliches Anlaufen geschützt. Für die Leuchter wurden 6 neue versilberte Tropfschalen angefertigt. (Kosten: 21.265 €, Stifter 50 %). Die Reinigung und Restaurierung eine kleinen Holzkruzifixes aus dem 18./19. Jahrhundert mit vergoldetem Kreuz kostete 756 € (Stifter 50 %).

Ein über viele Jahre im Archiv des Bistums Limburg befindliches Portrait eines Höchster Antoniter-Präzeptors wurde auf Anfrage von Ernst-Josef Robiné der Kirche als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Restaurierung des Gemäldes betrugen 714 € (Stifter 100 %).
Die rechts vom Hochaltar an der Südwand des Chores stehende „Kredenz“ diente zur Bereithaltung der liturgischen Gefäße, insbesondere für die Eucharistiefeier. Der reich geschnitzte Tisch wurde gereinigt und oberflächenkonserviert (Kosten: 385 €, Stifter 100 %).

Erst im vergangenen Jahr war die Tabernakelnische im Hochchor freigelegt worden: die blaue Farbfassung, die mit goldenen Stern-Applikationen geschmückt ist und von einem Antoniter-Kreuzbogen überspannt wird, wurde wissenschaftlich untersucht und als Smalte, ein früher sehr gebräuchliches Blaupigment, identifiziert (Kosten: 1.084 €, Stifter 100 %).

Nicht umgesetzt werden konnte das Projekt zur Freilegung eines karolingischen Fensterrestes an der Nordwand, da etliche Anfragen an das Landesamt für Denkmalpflege bezüglich Freigabe der Arbeiten nicht beantwortet wurden. Das Verfahren wird 2019 weiterverfolgt. Für den Verkauf in der Adventszeit und beim Weihnachtsmarkt wurden in diesem Jahr 1.000 Weihnachtskarten mit einem neuen Motiv aus dem Paramentenkatalog neu gedruckt
(Kosten: 172 €, Stifter = 100 %).

Die Gesamtausgaben der Stiftergemeinschaft für Arbeiten und Projekte 2018 betrugen 16.876 €.

 

24. Höchster Orgelsommer und weitere Veranstaltungen

Der 24. Orgelsommer fand erstmals unter der künstlerischen Leitung von Manuel Braun statt, der als Organist und Chorleiter in Niederrad tätig ist. Ein erster Höhepunkt war dabei das Eröffnungskonzert mit dem renommierten Organisten und Komponisten Naji Hakim aus Paris. Es folgten zehn weitere Konzerte mit unterschiedlichsten Stilrichtungen und musikalischen Besetzungen, darunter wieder auch ein Konzert im Rahmen des „Europäischen Jazz“ mit dem Trio Saskya mit der ECHO Jazz-Preisträgerin 2017, Anna-Lena Schnabel. Als Abschlusskonzert konnte ein begeistertes Publikum eine Zeitreise durch 5 Jahrhunderte Orgelmusik mit Kompositionen von 12 verschiedenen Komponisten erleben, die von Manuel Braun selbst meisterhaft intoniert wurden.

Finanziell war aus dem 24. Orgelsommer leider ein Verlust von rund 1.000 € zu verzeichnen, u.a. wegen geringerer Besucherzahlen bei den ersten Konzerten. Die Planung für 2019 und die Verpflichtung namhafter Künstler für den 25. Höchster Orgelsommer sind bereits jetzt weitgehend abgeschlossen.

Das 25-jährige Jubiläum des Tages des offenen Denkmals am 9. September, das unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ stand, wurde von Gabriele Rahmann in sehr aufwändiger Weise mit zahlreichen Infotafeln und Schaubildern in der Justinuskirche vorbereitet. Frau Rahmann, Dr. Bärbel Frühbeis und Heinrich Arndt führten in 3 themenbezogene Führungen durch die Kirche und erhielten von den ca. 375 Besuchern zahlreiche Fragen, die das große Interesse an den vielfältigen Informationen belegten.

Bei bestem Wetter kamen beim Höchster Altstadtfest wieder zahlreiche Besucher an den Stand der Stiftergemeinschaft, so dass Apfelwein und Handkäs einen hohen Absatz fanden und die Verantwortlichen sich mit dem Ergebnis am Ende sehr zufrieden zeigten. Am traditionellen Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende herrschte zwar kein winterliches Wetter, aber dennoch waren Glühwein und Schlehengeist gut nachgefragt und bereits lange vor Ende der Veranstaltung ausverkauft.  Zu Weihnachten wurde in der Kirche vom Gartenteam der guten Tradition folgend wieder die Krippe aufgebaut, die bei den Kindern immer wieder für große Augen sorgt.

Presse

Zur Ankündigung der Paramenten-Ausstellung hatten wir Anfang Oktober zu einer Pressekonferenz in die Justinuskirche eingeladen, bei der die Pressevertreter von Ernst-Josef Robiné über die historischen Paramente der Justinuskirche informiert wurden. Sie zeigten sich sehr an der mit den Ausstellungsstücken verbundenen Historie und den Zusammenhängen zwischen den Gewändern und deren farblicher Bedeutung in der Liturgie interessiert. Auch das bereits vorab erschienene Buch über die Paramente fand großes Interesse.


2018 erschienen 29 Artikel über die Justinuskirche und die von der Stiftergemeinschaft durchgeführten Veranstaltungen in den Frankfurter Zeitungen. Alle aktuellen Themen sowie die Jahrestermine können jederzeit auf unserer Internetseite www.justinuskirche.de eingesehen werden. Die Seite wird Ulrich Boller und unserem externen Dienstleister gepflegt. Die Facebook-Seite wird weiterhin von Frau Di Gennaro-Bretzler betreut und hat eine kleine, aber treue Mitgliedergemeinde, die miteinander kommunizieren.


Seit Jahresmitte kann die Justinuskirche quasi auf eigene Faust erkundet werden: von der im Internet abrufbaren Adresse www://talk-walks.net/frankfurt -hoechst/ kann man sich eine Audiodatei auf das Smartphone herunterladen, die einen dann auf dem Gang durch die Justinuskirche begleitet. Die Führung ist Teil der vom Stadtplanungsamt Frankfurt initiierten  „Talk-Walks“, die zu den bedeutenden und interessanten Punkten der Mainmetropole führt.

Dr. Werner Brodt
Vorsitzender Stiftergemeinschaft Justinuskirche

Bericht des Beirats über 2018

Weniger Projekte 2018

Das Jahr 2018 war in der Justinuskirche von einer kleineren Anzahl an Restaurierungsprojekten geprägt. Der Vorsitzende hat diese Arbeiten in seinem Jahresbericht bereits aufgeführt und die notwendigen Erläuterungen gegeben, weshalb an dieser Stelle ihre bloße Nennung genügt:

- die Überholung der historischen Türschlösser

- die Reinigung des „Augsburger Silbers“

- die Restaurierung des kleinen hölzernen Kruzifixes

- die Rückkehr des Porträts eines Antoniterchorherren aus dem 18. Jahrhundert

- die Reinigung der Kredenz (vermutl. Frontpartie des Hochaltares von 1725)

- die Konservierung des farblichen Befundes in der Sakramentsnische beim Hochaltar.

Deren farblicher Befund hat für die Kirche eine ganz besondere Bedeutung. Die nach Beseitigung des eingesetzten hölzernen Einbaus dürfte, zusammen mit der Secco-Malerei am Triumphbogen, die früheste noch im Original erhaltene flächige Farbfassung in der Kirche sein. Der blaue Farbgrund wurde als „Smalte“ identifiziert, ein blaues Pigment, das erst ab dem 15. Jahrhundert, also zur Zeit der Erbauung des Chores in Gebrauch kam. Es handelt sich bei der Smalte um mit Kobaltblau eingefärbten und gemahlenen Glasfluss, der vor allem in der Wandmalerei ab dem 15. Jahrhundert gegenüber dem teuren Farbstoff des nur über Venedig aus Afghanistan importierten echten Lapislazuli vermehrt zur Anwendung kam. Da der Chor der Justinuskirche um 1460 vollendet war, dürfte es sich bei der Farbgebung der Sakramentsnische in der Justinuskirche um ein frühes Beispiel der Anwendung von Smalte bzw. Kobaltblau in der Wandmalerei in Deutschland handeln.

Neue Publikation über die Justinuskirche

Im Berichtsjahr wurde unter dem Titel „Die Antoniusfigur von 1485 in der Justinuskirche zu Frankfurt am Main Höchst“ in den Nassauischen Annalen 129, 2018, S. 59-87 von Wolfgang Metternich ein Beitrag über die im Jahr zuvor restaurierte Sitzfigur des hl. Antonius in der Ostkapelle vorgelegt. Der Beitrag zeichnet die von Friederike Schäfer und Nathalie Staaf im Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden durchgeführten Untersuchungen an der Skulptur nach, teilt die wichtigsten Ergebnisse mit und widmet sich dann ausführlich dem Typus der Sitzfigur des Heiligen, wie er im Antoniterorden ab dem 15. Jahrhundert üblich wurde.

Dabei konnte wahrscheinlich gemacht werden, dass eine enge Verwandtschaft zur Sitzfigur des Apostels Jacobus Maior in der Kathedrale von Santiago de Compostela besteht, aber auch ein Bezug zur Altarsetzung des deutschen Königs nach seiner Wahl bestehen könnte. Der Beitrag wurde ein zweites Mal in der letztmalig erscheinenden Zeitschrift Antoniter-Forum, Heft 23/24/25, 2015, 2016,2017, veröffentlicht.

Gez. Dr. Wolfgang Metternich
Sprecher des Beirats